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Das Kapital & Manic Cinema – Wanted! Hanns Eisler

Konzert + Film:  Ganzjährig auf Anfrage

Das Kapital sind:
Edward Perraud (F) – Schlagzeug
Hasse Poulsen (DÄN) – Gitarre
Daniel Erdmann (D) – Tenorsaxophon

Manic Cinema sind: Nicolas Humbert & Martin Otter

www.das-kapital.com

Musik ist nichts anderes als in Klang gegossene bewegte Bilder. Und Film ist im besten Sinne Musik zum Anschauen. Ein Film ohne Musik ist schwerlich denkbar. Selbst in Zeiten, in denen der Film noch stumm war, ließ er sich mit Musik untermalen. Umso erstaunlicher ist es, dass umgekehrt Musik mit Film so selten funktioniert. Musikvideos sind selten mehr als präzise kalkulierte Werbeträger. Das Live-Zusammenspiel von Musik und Film wirkt hingegen oft ambitioniert und aufgesetzt.

Die deutsch-dänisch-französische Formation Das Kapital erzählt mit ihren Eisler-Interpretationen auf den beiden CDs „Ballades And Barricades“ und „Conflicts And Conclusions“ ihren eigenen Klangfilm. Es ist die mitreißende Vertonfilmung eines packenden Gesellschaftsromans, der in den dreißiger Jahren beginnt und nach der Jahrtausendwende endet. Ein Film über die großen Fragen der Weltpolitik und die intimen Antworten jedes Einzelnen. Saxofonist Daniel Erdmann, Gitarrist Hasse Poulsen und Drummer Edward Perraud liefern keine Anleitung, wie dieser Film zu sehen und verstehen ist. Jeder Hörer darf, soll und muss seine eigenen Übersetzungen finden. Doch man muss sich im Oeuvre Eislers auch nicht auskennen, um von der Wucht, der Poesie, dem Kampfgeist und der Renitenz dieser Musik berührt zu werden. Das Trio trifft über die offensichtlichen Komponenten von Eisler-Vorlagen und freiem Jazz hinaus eine Verabredung zwischen Easy Listening und Punk. Eisler passiert bei ihnen heute. Darüber hinaus und gerade deshalb gewinnen sie den gemeinsamen Boden von Kunst und Gesellschaft zurück, der dem jüngeren Jazz in seiner verschulten Perfektionsgier zwischen den Fingern zerronnen schien.

Die Zusammenarbeit mit dem Film-Team Manic Cinema verleiht dem Projekt nun eine weitere Dimension, durch die Eislers Kompositionen noch intensiver und direkter in die Gegenwart gebeamt werden. Manic Cinema steht seit 2006 für die Kollaboration der Filmemacher Nicolas Humbert und Martin Otter. Nicolas Humbert ist ein Altmeister des assoziativen Musikfilms. Mit seinem Fred-Frith-Porträt „Step Across The Border“ setzte er 1989 Maßstäbe für die Visualisierung von Sound. Seither hat er in zahlreichen Filmen, unter anderem „Middle Of The Moment“ und „Brother Yusef“, immer wieder neue Verabredungen zwischen Sound und bewegtem Image gefunden. Er bringt Bilder zum Klingen, arbeitet aus Klängen Licht und Schatten heraus und versteht sich darauf, beide Komponenten auch ohne narrativen Faden zu einer Geschichte zu verdichten. Martin Otter ist ein Meister der filmischen Andeutung, der Überhöhung des Banalen und der Poesie des Flüchtigen. Humbert und Otter schaffen gemeinsam eine Vieraugenperspektive, die mit der Faszination des improvisierten Details, der optischen Täuschung und der medialen Verfremdung arbeitet. Sie dehnen dem Moment aus und komprimieren die Unumkehrbarkeit des chronologischen Ablaufs auf die Winzigkeit eines Augenblicks (was in diesem Kontext durchaus wörtlich zu nehmen ist).

Die Bilder von Manic Cinema sind keine direkten Illustrationen zur Musik. Sie fügen sich auf einem wesentlich höheren Level mit den prägnanten Eisler-Kommentaren der Band zu einer Einheit. Film und Musik vereinen sich auf einer Metaebene, bilden ein stabiles Fünfeck und neutralisieren sich gegenseitig, unterfüttern einander oder führen sich in ihrer anschaulichen Gegensätzlichkeit ad absurdum. Klischees treffen unvermittelt auf das Unaussprechliche, Kontexte wechseln ebenso oft wie die Blick- und Hörwinkel, einzige Konstante ist die Gebrochenheit der Montage. Im Film wie in der Musik fließen Komposition und Improvisation ineinander, ohne dass die Schnittpunkte für den Hörer/Zuschauer ersichtlich wären. Dadurch entstehen assoziative Ketten, die – einem Bewusstseinsstrom ähnlich – die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Erinnerung aufheben. Die unterkühlte Melancholie der daraus resultierenden kollektiven Welterfahrung geht unter die Haut.

„Wanted! Hanns Eisler!“ ist ein suggestives Meisterwerk der Synergie und zugleich das großzügige Angebot von fünf Künstlern an den Zuschauer, mit allen Sensoren im Supermarkt der sinnlichen, intuitiven und assoziativen Wahrnehmung zuzugreifen. Bilder und Sounds sind letztlich Trigger. Die Geschichte entsteht einzig im Kopf des Betrachters. So erzählt „Wanted, Hanns Eisler!“ eine unbegrenzte Anzahl von Geschichten, denen jeder Zuschauer eine weitere hinzufügt.

Presse „Jazzfest Berlin“

„Das mit einer Neubestimmung auf die Musik von Hanns Eisler befasste Trio „Das Kapital“ setzte eine schon länger währende Auseinandersetzung mit dem Film in einer neuen Produktion für das Festival fort. Die Bilderfolge (Nicolas Humbert und Martin Otter) entstand, in Umkehrung der sonstigen Arbeitsweise, als „Kontrapunkt“ zur bereits vorhandenen Musik, die damit ihrer kommentierenden Funktion entbunden war. Schwer arbeitende Menschen, Eisler auf T-Shirts und hinter blattreichen Zweigen, einsame und belebte Landschaften, fließendes Wasser und ziehende Wolken, DDR-Tristese und Demonstrationen – von der Musik ins Suggestive gehoben, löste diese schwarzweiße Bilderflut ganze Welten von Assoziationen und Erinnerungen aus. Ein Gewinn.“
FAZ, Ulrich Olshausen