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Django Bates‘ Belovèd

Konzerte ganzjährig auf Anfrage

Featuring: Django Bates (p), Petter Eldh (b), Peter Bruun (dr)

www.djangobates.co.uk

Aktuelle CD: Confirmation
lost marble records LM007 2012

Django Bates hat einmal erzählt, wie er als Jugendlicher  in den Vororten von Südlondon unterwegs gewesen ist und versucht hat, Bird-Liebhaber zu finden, indem er auf Straßen und U-Bahnhöfen Melodien von Charlie “Bird” Parker pfiff. Eines Tages habe ihm tatsächlich ein ähnlich seltener Vogel mit einer Parker-Melodie geantwortet. Das war Steve Buckley. Diese Begebenheit erinnert an die Art und Weise, in der Vögel ihre Partner suchen oder ihr Territorium markieren. Indem Bates einen Partner für seine Musik suchte und dabei das Gebiet seines musikalischen Interesses gleich mit anklingen ließ, gelang es ihm, mit einem Ton zwei Vögel einzufangen. Aber gibt es auch eine Möglichkeit, die Arbeit von Dodo Marmarosa hier irgendwie mit unterzubringen? Hmm … wenn das italienische „marmorosa“ auf Englisch „pink marble“, bedeutet, dann denke ich dabei nicht an rosa Marmor, sondern an die Murmeln in dem Namen von Djangos Haus „Lost Marble Dept“. Keine Frage, ein Dodo-Vogel in der Hand wiegt bestimmt zwei verlorene Murmeln auf, aber vielleicht rollen mir ja alle Murmeln aus der Hand und ich verliere den Verstand!

“Bird Lives” lautete ein prophetisches Graffiti, das nach Charlie Parkers Tod an einer New Yorker Hauswand zu lesen war – und noch immer zeugt es von dieser bemerkenswerte Zeitkapsel aus der Zukunft, dem Bebop.

Django hat bereits mit „Belovèd Bird“ (LM004) klargestellt, dass sein Ansatz darin besteht, Parkers Stücke Linien  zu dekonstruieren und zu rekonstruieren. Die Melodien und Harmonien werden reflektiert, aufgespalten und gründlich „djangonisiert“, und zwar genauso freudesprühend, unbekümmert und wahnwitzig clever, wie Django es in allen seinen Arbeiten tut. Vom gegenwärtigen Standpunkt aus lässt sich kaum sagen, welche Entscheidungen vorab getroffen und dann geprobt und welche sich eher im Verlauf des Zusammenspielens herauskristallisiert haben. Es mag gut sein, dass dieses erfahrene, eingespielte Trio im Fall der beiden Musiker Peter und Petter ein intuitives Verständnis von Djangos „Methodologie“ zeigt, die diese Fragmentierung und Neugestaltung hervorbringt, und dass das, was wir hören, tatsächlich eine Kombination von beiden Arbeitsmethoden ist.

Djangos eigene Arbeiten stehen einerseits klar für sich, andererseits sie sind aber auch Re-Kontextualisierungen von Parkers Linien und verwenden dieselbe rhythmische und harmonische Handschrift die u. a. in der Bearbeitung von „Confirmation“ zum Ausdruck kommt.

Trotz der erstaunlichen Gründung der Tristano-Schule (die selbst als eine Hommage an Charlie Parker verstanden werden kann) noch zu Parkers Lebzeiten, ist die Inspiration, die CP für andere Musiker darstellt, über seinen Tod hinaus ungebrochen: Das zeigen Beispiele wie Ornettes „The Legend of Bebop“ oder die Version des New York Art Quartet von „Mohawk“, mit ihrer Phrase für Phrase sich entwickelnden, rhythmisch zerrissenen Interpretation des Themas. Auch Eric Dolphy hat erkennbar Weiterentwicklungen von CP vorgelegt,  wie etwa sein „Far Cry“ zeigt, oder George Lewis mit seiner großartigen „Hommage to Charlie Parker“.

Tritt man einen Schritt zurück und stellt diese Wechselbeziehungen in einen größeren historischen Kontext, so scheint es, als müsse es in gewissen Abständen immer wieder eine Diskussion darüber geben, ob der Jazz eine in sich geschlossene Sprache darstellt und nun bereit ist für seine „klassische“ Phase, oder ob er vielmehr wie ein offener Horizont ist, der nach periodischer Erneuerung verlangt. Es gibt die Apologeten eines Entweder-oder-Denkens, die sich auf die eine oder andere Seite schlagen, und es gibt diejenigen, deren Blick auf das Ganze geht. Django ist jemand, dessen Herz für das Ganze schlägt.

Was, schließlich, wäre zu sagen zu diesem nahezu frei schwebenden und geheimnisumwobenen Stück, dem Klassiker “A House is Not a Home” von Bacharach/David, das von dem sonst doch eher pietätlosen Ashley Slater mit überraschender Ehrerbietung gesungen wird? Kommt dies einer Referenz an die Ankündigung am Schluss der Seite 2 von Gatos „Chapter One“ gleich, in der er „Chapter Two“ ankündigt? Und wie wären dann die geisterhaft kaleidoskopischen, Bird-haften  Reflexionen in der Coda zu verstehen?  Womöglich als Vorboten eines neuen Projekts zur Rekonstruktion von Bacharach? Das wäre in der Tat ein Anlass, sich künftig auf mehr „Djangologie“ zu freuen.

Bis dahin aber empfiehlt es sich, in “Confirmation” zu schürfen und sich das schöne Diktum von T. S. Eliot vor Augen zu halten: „Art never improves, but … the material of art is never quite the same.“
Evan Parker 2012

Presse

„Wer einen Bird-Song pfeifend durch London streift, um Gleichgesinnte zu finden, der muss schon ein seltsamer Vogel sein. Lang ist’s her, doch Charlie Parker treibt den britischen Pianisten Django Bates bis heute um. Auf „confirmation“ (Lost Marble LM007/ Rough Trade) dekonstruiert er im Trio mit feinem Humor drei Stücke des des legendären Bläsers und kontrastiert sie aufs Vergnüglichste mit eigenem Material in entzückend freiem Duktus.“
hifi & records, Sven Thielemann, 4/2012

„Nun hat der Pianist Django Bates einen ganz unverhohlenen Parker-Tribut eingespielt, und zwar in Kopenhagen, der europäischen Hauptstadt der Bebop-Verehrung. Django Bates und Bebop? Bates ist bekannt für skurrile Bigband-Musik und aufmüpfige Experimente, aber nicht gerade für die Pflege historischer Jazzstile. Doch auch bei ihm war Charlie Parker immer gegenwärtig: „Die wundervollen Umrisse seiner Soli und Kompositionen und seine frei flutenden Unterteilungen der Time waren immer in meine eigene Musik eingebettet“, sagt der Engländer. Und wenn er sich nun den Themen widmet, die Bird einst so unvergesslich spielte, kommt dabei – nicht wirklich überraschend – eben auch wieder Django-Bates-Musik heraus.
Belovèd Bird ist eine brandheiße Klaviertrio-Platte mit einem exzellent aufspielenden Bandleader. Das Material ist Charlie Parker – seine Melodien, seine Phrasen, sein Tonfall –, die Themen und Formen jedoch sind aufgebrochen in ein Kaleidoskop von Rhythmen und Episoden. Oft erklingt eine komplette Parker-Linie, aber der Rhythmus wechselt alle zwei Takte und das Thema durchläuft eine Vielzahl von Stimmungen. Einzelne Phrasen werden als lyrische Kürzel isoliert, zu delikaten Miniaturen entwickelt, schräg in sich selbst verzwirbelt oder einfach als Startsignale für Improvisationen gebraucht. Parkers futuristische Essenz.
So explosiv, wie der Bebop einst auf die Szene sprengte, so explosiv fliegen bei Bates die Parker-Kürzel auseinander ins Unbekannte. Jeder Thementeil explodiert in etwas Neues, Eigenes, als werde Parkers Musik nicht im Zusammenhang, sondern Takt für Takt buchstabiert: „Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön“, schrieb Brecht einmal. Rhythmus pocht da gegen Rhythmus, Phrasen werden ins balladenhaft Langsame verzerrt oder zu verhuschten Läufen gestaucht – respektlos aus Respekt. Und immer wieder entwickelt sich fortgeschrittener Trio-Jazz mit Latin- und Free-Elementen, mit parodierten Blockakkorden und mitreißenden Improvisationen. Be-, be-, bebop!“
hifistatement.de, Hans-Jürgen Schaal

„Django Bates is equally confident as his all-acoustic piano trio stretch and pull at music associated with Charlie Parker – a childhood inspiration. Bates‘ dazzling technique and quickfire imagination sometimes lead him to fidget, but this album is joyfully focused on giving well-worn themes a new life. Peter Bruun and Petter Eldh on bass and drums follow the imaginative brilliance telepathicaly, caressing ballads, juxtaposing rythms and creating order out of chaos.“
Financial Times, Mike Hobart

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Photos by Nick White