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Florian Favre Trio

Konzerte im November 2016 &  ganzjährig auf Anfrage

Florian Favre_Piano
Manu Hagmann_Bass
Arthur Hnatek_Drums

http://www.florianfavre.com

New CD: Ur (Traumton Records) April 2016

„Ein echter Hochkaräter der nicht nur Spass macht, sondern auch jede Menge Überraschungen bietet.“ (Jazz Podium)

Verglichen mit ihrer Größe und Einwohnerzahl bringt die Schweiz seit Jahren bemerkenswert viele Jazztalente hervor. Und nicht wenige der dortigen Musiker eröffnen dem Genre durch individuelle Ideen neue Perspektiven. Ideen, die ansehnliche oder wunderbare Blüten treiben können, weit von den amerikanischen Wurzeln entfernt. Florian Favre, 1986 in westschweizerischen Fribourg geboren, gehört zu diesen hellsichtigen Charakteren. Wie viele seiner Generation ist er offen für unterschiedliche Stile, weiß sie aber genau zu sortieren und pointiert zu verarbeiten. Favres variable Kompositionen mögen zuweilen Einflüsse von europäischer Klassik, Rock oder Elektronik ahnen lassen, finden letztlich aber immer zu einer individuellen Sprache. So wirkt seine Musik gleichermaßen fokussiert und einem Generationen übergreifenden Publikum zugewandt. Zumal der reflektierte Pianist und Komponist nicht im Elfenbeinturm sitzen mag. Die Kommunikation mit den Zuschauern ist ihm ebenso wichtig ist wie das intuitive Verständnis innerhalb der Band. Hier wie da entstehen eindrucksvolle Funkenflüge, ganz ohne vordergründige musikalische Zitate.

Favres Naturell neigt eher zu Humor als zu großen Gesten. In seiner Musik flirtet er gern mit Unvorhersehbarem, schätzt gegen den Strich gebürstetes. Bisweilen spielt er sich mit seinem Trio scheinbar selbst in Ekstase, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Tempi oder Rhythmen können unerwartet wechseln, wuchtige Drum-Hiebe und hart angeschlagene Bass-Figuren die Dynamik zuspitzen, während Favres rechte Hand hakenschlagend durch Oktaven springt. Am anderen, lyrisch-kontemplativen Ende des Spektrums finden sich fein ziselierte Passagen, in denen die Musiker subtil mit Klangfarben spielen. Unverkennbar legt Favre viel Wert auf eine durchdachte, stimmige Dramaturgie, die Intuition und Intellekt ausbalanciert. Schönheit lässt sich auch im Einfachen finden, meint er, solange es nicht naiv wird. Andererseits interessiert ihn Virtuosität nur, wenn sie etwas auszusagen vermag. „Ich kann als Komponist extrem komplexe Dinge zu Papier bringen“, sagt Favre, „aber sie ergeben keinen Sinn, wenn ich sie später beim Spielen nicht innerlich hören kann. Weil dann beim Improvisieren nichts entsteht.“

Mit acht Jahren begann Florian Favre, klassischen Klavierunterricht zu nehmen. Sein Vater war Komponist einer Blaskapelle, hatte aber mit Jazz nichts im Sinn und so entdeckte Favre erst als Zwölfjähriger Blues-Skalen, die ihn bald zum Jazz wechseln ließen. Mit 21 hatte er ein Diplom mit Auszeichnung des Konservatoriums Fribourg in der Tasche und wechselte nach Bern, um an der dortigen Hochschule der Künste weiter Jazzpiano sowie Komposition zu studieren. In dieser Zeit beschäftigte er sich auch wieder intensiv mit klassischer Musik. Heute sagt Favre, dass er sich in bestimmter Hinsicht Strawinsky und Ravel verbunden fühlt, „besonders ihrem Gespür für Klang.“ 2008 gründete Favre sein Quartett Help!, mit dem er alsbald erste Auszeichnungen erhielt und zwei Alben veröffentlichte. 2012 war er mit Stephan Eicher und dem Spoken Poetry-Künstler Kutti MC auf Tournee, mit letzterem arbeitet Favre bis heute. Zu seinen Kooperationspartnern gehören auch die Sängerinnen Ann Malcolm und Pamela Mendez, zudem komponiert er für das Fribourg Jazz Orchestra. 2012 gewann Favre die „International Jazzhaus Piano Competition“ in Freiburg im Breisgau. Nach Abschluss seines Masters (unter anderem bei Django Bates) hielt sich Favre eine Weile in New York auf. Sein Esprit beeindruckt selbst weit gereiste amerikanische Kollegen. So wurde Favre einmal von Joshua Redman auf die Bühne gebeten, nachdem der Schweizer das Konzert des Saxophon-Stars eröffnet hatte. Redmans öffentliches Lob würde wohl viele rot werden lassen: „He has something really, really special that blew us all away.”

Sein Trio funktioniert, sagt Florian Favre, als Kollektiv und wie ein Organismus. Der intuitive, von einer natürlichen Präzision durchdrungene Fluss der Musik und die Gleichberechtigung der Instrumente sind nicht zu überhören und machen einen großen Teil der Magie der Band aus. 2011 wurde sie von Favre gegründet, 2013 kam der sechs Jahre ältere Kontrabassist Manu Hagmann dazu. Er hat ebenfalls in Bern studiert und bereits eine vielfältige musikalische Geschichte. 2007 gewann Hagmann mit seinem damaligen Quartett Red Planet den Wettbewerb „Tremplin Lémanique“ des Montreux Jazz Festivals. Weitere Auszeichnungen folgten, etwa mit der Jean-Lou Treboux Group bei den Stanser Musiktagen 2011 und mit der Band Orioxy, zu der neben anderen die Harfenistin Julie Campiche gehört. 2013 erhielt Orioxy den „Grand Prix“ der Avignon International Jazz Competition. Mit beiden Projekten nahm Hagmann jeweils zwei Alben auf, spielte bei Festivals und in mehreren europäischen Ländern.

2015 eröffnete der viel gefragte Schlagzeuger Arthur Hnatek neue Dimensionen für das Favre Trio. Wie Hagmann stammt der Mittzwanziger Hnatek aus Genf, beide sind schon länger befreundet. Zwischenzeitlich lebte Hnatek in New York und absolvierte dort seinen Bachelor unter anderem bei Kirk Nurock und John Hollenbeck. Schon mit 16 war er zum ersten Mal in der Jazzmetropole, seinerzeit dank eines Stipendiums für ein Sommersemester am Drummer’s Collective. Mittlerweile ist Hnatek bei vielen großen Festivals aufgetreten (Montreux, North Sea, „La cité de la musique“ Paris, Montreal, Reykjavik) und hat auch als Elektronik-Musiker und Remixer gearbeitet. Mit Tigran Hamasyan spielte er dessen letztjähriges, gefeiertes Nonesuch-Album „Mockroot“ ein, mit Erik Truffaz dessen neues Werk „Doni Doni“. Beide Stars engagier(t)en Hnatek selbstverständlich auch für ihre Tourneen. Neben seinen vielen Einsätzen als Rhythmus-Rückgrat anderer verfolgt Hnatek auch eigene Projekte, etwa das Electro-Jazz-Quartett Melismetiq u.a. mit Shai Maestro. Darüber hinaus komponierte er im Auftrag von Festivals für Orchester, Bigbands und kleine Ensembles sowie für Filmproduktionen.

Schon das Debüt des Florian Favre Trios, T’inquiète pas, ça va aller, sorgte 2013 über die Schweizer Grenzen hinaus für Begeisterung. Verglichen mit den damaligen Stücken sind die neuen Kompositionen schlüssiger, findet Florian Favre. „Nach dem ersten Album habe ich mir viele Fragen gestellt und die Suche nach einer neuen Essenz als eine Art Reise empfunden. Diese Reise tragen nun alle Songs von Ur in sich.“ Der Album-Titel scheint ungewöhnlich, zumal bei einem Künstler, dessen Muttersprache Französisch ist. „Ich mag, dass man mit so wenig Buchstaben etwas so tiefes ausdrücken kann“, sagt Favre, der längst auch Deutsch beherrscht, „ich finde, das Wort hat Kraft und etwas echtes.“

Zwar komponiert Favre die Stücke alleine, lässt aber stets Räume für seine Bandkollegen. Etwa wenn sie im Proberaum gemeinsam neue Ideen oder Arrangements weiter entwickeln. Nicht nur live, sondern schon im Studio findet das charismatische Trio immer wieder zu interessanten Improvisationen. Dabei konzentrieren sich alle erfolgreich darauf, mit rein akustischen Mitteln individuelle Klänge zu kreieren. Verdichtet wird die Spannung durch das Gespür Favres und seiner Partner für infizierende Grooves und rhythmische Wendungen. Selbst in energiegeladenen Momenten bleiben sie auf dem Terrain des Jazz, verirren sich nie auf das dünne Eis plakativer Effekte. So zeigt das Florian Favre Trio eine erstaunlich perfekte Mischung aus Spielfreude und Treffsicherheit, juvenilem Verve und abgeklärter Souveränität.

Presse:

jazzthetik, 07/08 2016, Hans-Jürgen Schaal

„Es kommt selten vor, dass man eine CD einlegt und nach wenigen Sekunden einen so starken Eindruck von Dramaturgie bekommt. Da haben drei Männer hart an ihrer Musik gearbeitet: Der 30-jährige Pianist Florian Favre und seine kongenialen Mitstreiter, Manu Hagmann (b) und Arthur Hnatek (dr), machen messerscharf ziselierte Musik, die an der Kante zwischen Intuition und Intellekt entstanden zu sein scheint. Und, was besonders erfrischend ist, sie überraschen einander (und natürlich ihr Publikum) durch hochriskante interaktive Drahtseilakte. Das ist zeitgemäßer Jazz, der etwas von der Impulsivität des e.s.t. hat, der aber auch aus dem Fundus des Impressionismus und des Rock schöpft. Eine Feier des Unvorhersehbaren, wundervoll.“ (schu) concerto, 3/2016

Die Produktion „UR“ mit dem Florian Favre Trio schüttet über dem Zuhörer ein reiches Füllhorn aus. Ein Trio, das gleichermaßen György Ligeti wie Hip Hop oder elektronische Musik auf dem Schirm hat, gibt hier ein Statement ab, das weit über den Tellerrand der Jazz-Fraktion hinausragt. Georg Waßmuth, SWR2, CD der Woche, http://www.swr.de

Florian Favres Erfolg liegt in seinem Können begründet – und in seiner Unbekümmertheit. Der 28-jährige Pianist aus Fribourg tastet sich verspielt durch Gehörtes aus Jazz, Rock, Klassik und Folklore. Dies schüttelt er, bis es als konzentrierte Essenz nach komplett Neuem klingt. «Ur» kommt so frühlingsfrisch daher wie lange nichts mehr aus all den Pianotrio-Küchen. Favre denkt in Wolken, erzählt enthemmt und scheut weder Gehalt noch Grooves.Kulturtip, Frank von Niederhäusern, Mai 2016

„So originell wie der Titel ist die ganze CD. Dies ist nicht einfach eines von vielen neuen Piano-Trios, die es wie Sand am Meer zu geben scheint. Diese CD des Schweizer Pianisten Florian Favre ist wirklich etwas ganz Besonderes. Zum einen scheint hier das Ideal des Klaviertrios im Jazz, nämlich die „Demokratisierung“, soll heißen die Gleichberechtigung der drei Musiker, eher verwirklicht zu sein als bei so vielen anderen Gruppierungen dieser Art. Bassist Manu Hagmann und Drummer Arthur Hnatek gestalten weitgehend das musikalische Geschehen mit und haben relativ große Solo-Anteile. Zum anderen ist es natürlich der Pianist selbst, der immer wieder für Überraschungen sorgt, mit unerwarteten Wendungen und Einwürfen, mit plötzlichen Tempiwechseln oder originellen Zwischenspielen, alles verbunden mit einem gewissen schalkhaften Humor. Erstaunlich auch ist sein Erfindungsreichtum in der melodischen Gestaltung. Dies wird natürlich unterstützt durch Favres Kompositionen, die eher konventionell, aber sehr ansprechend sind. Die erste CD dieses Trios, „T’inquiète pas, ça va aller“ von 2013 wurde schon jenseits der Schweizer Grenzen bekannt. Es ist zu hoffen, dass diese neue CD „Ur“ noch einen viel größeren Bekanntheitsgrad erreicht. Sie hat es verdient.“ Jazzpodium, Teddy Doering, 4/2016

„Florian Favre ist Schweizer und in Deutschland bisher wenig bekannt. Aber das wird sich ändern, mit Sicherheit! Trotz einiger bemerkenswerter Alben, die er bisher unter eigenem Namen veröffentlichte, steht er erst am Anfang seiner Karriere. So, wie er auf dem vorliegenden „Ur“ in die Tastatur seines Flügels greift, hat das nicht nur Zukunft, sondern vor allem Größe. Nennen wir ihn an dieser Stelle deshalb einen wuchtigen Pianisten, mit ausgesprochenem Hang zur Sensibilität. Sein Spiel ist präzis und doch unberechenbar. Man spürt seine Sozialisation, in der Rock, Elektronik und Klassik sich auf Augenhöhe begegnen, wobei er sich Strawinsky und Ravel derzeit besonders verbunden fühlt. Aber er begeistert sich eben auch für Earth, Wind & Fire oder U2.
„Ur“ ist voller Kraft und Temperament. Ein Album mit Ecken und Kanten, mit erfrischenden Harmonien, halsbrecherischen Läufen und radikalen Wendungen.  Und in Manu Hagmann (Bass) und Arthur Hnatek (Schlagzeug) hat Favre zwei ausgesprochen Seelenverwandte als Partner gefunden. Auch wenn die Kompositionen von ihm stammen, ist die gesamte Aufnahme ein Gemeinschaftswerk. Die Dynamik und Dramaturgie in diesem Trio beeindruckt enorm. Dieses ständige Pulsieren und Explodieren, diese stillen lyrischen Momente und dann wieder flammende Improvisationen – selten war Musik im Gesamtkontext erfrischender und spannender. Dabei wäre Florian Favre um ein Haar Fußballer geworden. Man glaubt es kaum ….“
kultkomplott.de, Jörg Konrad, 31.03.2016

Dass Klaviertrios geradezu inflationär verbreitet sind, kann den jungen schweizerischen Pianisten Florian Favre nicht davon abhalten, sich ebenfalls für eine solche Formation zu entscheiden. „Mit drei Leuten eine musikalische Konversation zu halten, ist sehr angenehm“, findet Favre. „Außerdem nehmen bei uns alle unterschiedliche Funktionen ein, sodass das Trio wie ein kleines Orchester ist.“ Auf dem zweiten Album „Ur“ (Traumton/Indigo) findet sich nach wie vor der Bassist Manu Hagmann an Favres Seite, am Schlagzeug ist es jedoch zu einer Umbesetzung gekommen: Hier sitzt jetzt Arthur Hnatek, der schon in den Bands von Tigran Hamasyan und Erik Truffaz für Aufsehen sorgte. „Arthur ist rhythmisch sehr solide und kann dennoch fliegen“, schwärmt sein Chef. „Er braucht keine „1“, sein Timing ist einzigartig. Außerdem mag ich seine Art zu orchestrieren.“ In der Tat. Bei der Nummer „Oh Lord!“, die so langsam gespielt wird, dass es einem vorkommt, als würde die Zeit gedehnt, sorgt er mit raffinierten Beckenschlägen für die Verbindung zwischen den verstreuten Tönen. „Million Miles Away“ fängt dagegen wie eine Stilübung in Sachen verträumter Balladenkunst ein, verwandelt sich dann aber im Verlauf von sechs Minuten in einen heftig groovenden Rocksong, der einen geradezu hypnotischen Sog entwickelt. Man bekommt eine Ahnung von der Bedeutung des Albumtitels. „Ich mag, dass man mit so wenig Buchstaben etwas so Tiefes ausdrücken kann“, sagt Favre, dessen Muttersprache eigentlich Französisch ist. Jazzthing, Rolf Thomas, 4/2016

This is one recording that really knocked me out and gave me a whole lot of pleasure. There’s the pure eruption of clean energy from the beginning of the title piece Ur, played on prepared piano, and the power of the music was not coming from cannon like shot, but from the emotional congestion between the notes. Million Miles Away takes us back to the feeling of the opening, with a prepared piano intro and lurking rhythm, following the piano’s counterpoint lead with shy feeling, and giving the piece an unusual tension. Favre’s melody building reminds me of early Brad Mehldau, and it’s fascinating to see how he has developed his own language from recent classics. Listening to his Cobble Hill makes me particularly happy, because I can hear that someone is finally around who can take over what was left by Esbjörn Svensson; his achievement is now becoming a modern piano language in a natural evolutionary way, rather than simply quoted or repeated. Hyperactive Nocturne is a jolly and humorous track with constantly changing tempos that make it very powerful. This is a totally cnvincing composition, and in my opinion the best track on the recording. I can listen to it endlessly without getting bored, and the exquisite drumming of Arthur Hnatek frames it in a beautiful way. It might be only February as I write, but I reckon I already have my piano record of the year in my hands. HIFI Critic, Greg Drygala, 3/2016 

„Favre hat eine Vorliebe für eine farbenprächtige Harmonik, die er jedoch stets aufs Neue in Brand setzt, um ad hoc dem Verlauf seiner Akkorde neue Richtungen zu geben.“ (Jazz Thing)

Winner of the B-Jazz International Contest 2016

From the jury report:

„This band has a very high level of proficiency and professionalism.

There was a great build up and contour of the set, ranging from very delicate to highly intense moments, within the jazz tradition, but always fresh and surprising, with never a dull moment.
With great coherence and interplay between the band members, always finding a balance between seriousness and apparent pleasure, meanwhile connecting very well with the audience and therefor creating a great atmosphere.“

Fotos:

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