JLM2_2014web

Johnny La Marama

Konzerte ganzjährig auf Anfrage

Kalle Kalima (FIN): guitar
Chris Dahlgren (USA): bass
Eric Schaefer (G): drums

Homepage: www.traumton.de

New CD „Purgatorio“
Traumton Records
Veröffentlichung März 2014

Johnny La Marama, Il Purgatorio

Who, the hell, is Johnny La Marama, hieß es beim Debütalbum der gleichnamigen Band 2006. Jetzt fragt man sich: Where, the hell, is he?

Wohin kommt wohl der Unhold? Genau! In die Hölle. Oder mindestens ins Fegefeuer. Völlig logisch also, dass Kalle Kalima, Chris Dahlgren und Eric Schaefer ihren fiktiven Desperado nach „Fire!“ und „Bicycle Revolution“ nun ins „Il Purgatorio“ schicken.

In der römisch-katholischen Theologie werden dort mit heißem Besen die Sünden aus den Seelen gekehrt. Ursprünglich war das aber als ein Ort zur Erholung gedacht, bevor man in den Himmel fährt. Vermutlich dachte auch Johnny La Marama, dass das Fegefeuer eine besonders illuminierte Art von Lounge-Bar sei, in der er erst mal relaxt einen Drink nimmt, bevor er weiter nach seinem Kumpel Hans Hansson sucht und hernach zur himmlischen Manna-Speisung auffährt.
Aber er hat sich – höllisch – geirrt.

Dante hat das Purgatorium in der Göttlichen Komödie beschrieben. Über sieben Terrassen büßen sich dort die Delinquenten zur Erlösung hin. Kalle Kalima, Chris Dahlgren und Eric Schaefer haben Maramas Fegefeuerreise um ein paar Verschnaufspausen, historische Gestalten und zeitgenössische Inhalte auf elf Songs ausgebaut. Und da wir hienieden selten einen aus dieser Gegend wiedersehen, hier also der Johnny-La-Marama-Reiseführer durchs Fegefeuer:

Zunächst einmal stellt sich dem Protagonisten der antike Poet Vergil als Führer zur Seite. „Step up the Tower“ stellt am Grunde des Monte Purgatorio klar, dass das ein anstrengender Aufstieg wird.
Auf der ersten Terrasse des Stolzes müssen sich die beiden in „Cyber Crusade“ einen bluesigen Weg durch die Schattenseitenvertreter der modernen Internetwelt hacken.
Nach einer kleinen erinnerungsseligen Westernfilmmusikartigen Erholungspause im Ponderosa-Free-Style („Happy Song“) entdecken sie einen Unglücklichen. Er nennt sich Dante und ist auf seiner Fegefeuer-Exkursion auf der zweiten Terrasse hängen geblieben. Dort ist es wüstenheiß und einsam. Gitarrist Kalle Kalima verpasst der Station das Flair einer seit langem verlassen in ihrer eigenen Depression vor sich hinmodernden Westernstadt.
Einen weiteren „alten Bekannten“ trifft man auf der dritten Terrasse. „Carlo Gesualdo“ brachte 1590 seine Frau und deren Liebhaber um. Danach schrieb er deprimiert und der Umnachtung nahe Musik, die seiner Zeit Jahrhunderte voraus war. Ein kurzer dramaturgischer Zwischensprung führt auf die sechste, bitterkalte Stufe. Auch wenn man dort in „Cash Flow“ die Bankenwelt als fiebriges Denkmal heutigen Wahnsinns erlebt; die Gier ist ein wahrhaft zeitloser Ort mit immer neuen Inhalten.
Nach einem kleinen „Intermezzo“, einer Session mit imaginären Musikerkumpels und noch mehr Drinks (weswegen der Song mit über 11 Minuten der längste auf dem Album ist), begeben sich La Marama und Vergil zurück. Gesualdos Ex, „Maria D’Avalos“, hangelt sich von der vierten Stufe gerade träge Richtung Begierde (5. Terrasse), um dort ihren Liebhaber „Fabrizio Carafa“ zu treffen – aller Warnungen unseres Helden zum Trotz.
Die siebte Terrasse der Lüsternheit wäre mit ihren hübschen Frauen und cooler Musik im „Devil Dance“ (Strauss’ Salome und Ölblubberlampen aus den 60ern lassen grüßen) so recht nach La Maramas Geschmack, aber Vergil drängt weiter.
Auf dem Gipfel des Purgatoriumbergs schließlich treffen sie endlich den gesuchten Hans Hansson, der sich in einer transdeszentalen (im Bandterminus: „trans-in-dental“) Levitation befindet, deren Schwerelosigkeit ihm von engelsgleichen Schönheiten in „Laying Hands on Hans Hansson“ in einer „Sentimental-Journey“-Persiflage erleichtert wird.

Hat man die staunenden Ohren nach dem Anhören Il Purgatorio wieder angeklappt, wundert einen eigentlich nur noch, dass der Wunderdreier aus Berlin auf seiner Fegefeuerreise nicht auch noch andere Wunderliche der Musikgeschichte in persona getroffen hat; als da etwa wären Frank Zappa, Charles Mingus, Karlheinz Stockhausen, schlechte Countrymusik, legendäre Rockgitarristen und eine Horde Punkbands.

In Johnnys Vorhof der Hölle wird der Hörer gut gegrillt, das Berliner „Purgatorio“ hört sich zuweilen an, als ob eine Stahlpresse mit Festplattenfehler auf Autopilot läuft. Es rockt und knallt, seufzt und groovt in allen Tonlagen und Metren. Die Treppenstufen zur Glückseligkeit, die sind schief, voller ungerader Metren, rhythmischer Querschläger und Stolpersteine. Vor allem aber ist Il Purgatorio eine ausdrucksvolle, epische Filmmusik, sehr amerikanisch in Gestus und „Gesängen“. Irgendwie wähnt man sich ständig in Tarantinos Titty Twister-Bar aus From Dusk till Dawn. Die üblichen Parameter kommen hier zum Erliegen. Oder wurden einfach aufgefressen.

Johnny La Marama ist natürlich mucho Gitarre. Kalle Kalimas Spezialität darauf ist das konstruktive Dekonstruieren, unehrliche Klischees ehrlich zu ironisieren. Oder war das umgekehrt? Der finnische Gitarrist kann mittlerweile getrost als der Euro-Marc Ribot bezeichnet werden, ähnlich versatil und vielschichtig wie er spielt. Aber ebenso treten Eric Schaefers Studien in Neuer Musik und ein gewisser Art-Rock-Background in den Vordergrund. Chris Dahlgren schließlich „tarnt“ seine amtliche Karriere im Neutöner-Jazzbereich hinter grooviger Unterfütterung. Auf jeden Fall wird auch im dritten Johnny-La-Marama-Coup deutlich, dass sich seine musikalischen Doubles bestens und blindlings verstehen, ein echtes Team, in dem jeder von seiner Höhe aus auf gleicher Höhe mit den anderen interagiert. Damit kann man getrost durch die Hölle gehen. Auch wenn die „Drei von der Punkstelle“ mit Zapfsäulen aus Rock, Grunge, Jazz und Improvisation in hoher Oktanzahl, mit dieser Fegefeuerfahrt ganz sicher sofort in den (Musik-) Himmel auffahren.

Presse

„Und weiter geht die Story von dem höchst imaginären Johnny, dem Möchtegern-Gangster, der nix richtig auf die Reihe kriegt, eine Nulpe, ein Pechvogel der Spezialsonderklasse, der es nach seinen schon ganz schön heftigen Sound-Abenteuern in den Vorgänger-Alben „Fire!“ und „Bicycle Revolution“ immerhin fertig bringt, im Purgatorio zu landen, der Vorhölle in der „Divina Comedia“ des ganz großen Dante Alighieri, in anderen Mythen der Styx, der Phlegethon, der Lethe, ein Fluss, kein Berg wie bei dem Florentiner, den es nach etlichen Prüfungen zu erklimmen gilt. Aber Johnny bringt das, und zwar nur, weil Kalle Kalimas Hölle eher ein Abenteuerspielplatz, ein ganz schön lustiger Ort der richtig abgefahrenen Fantasy-Art ist. Kalle ist der in Berlin lebende Finne mit dem unkaputtbaren Hang, seiner Musik Untergründe, Motive, Vorwände oder (un)faule Ausreden zu verpassen, die weit stabiler sind als alle Versuche, seine Musik – und hier nun die des Trios Johnny La Marama mit Chris Dahlgren, ac-b, eb, voc, Eric Schäfer, dr, elec, voc und Kalle, g, voc- in irgendwelche „ernsten“ Schubladen hineinzukriegen. Dieser herrlich verrückte, hochintelligent verspielte Quer- und Feuerkopf garantiert seit Jahren mit allen seinen Unternehmungen größten Unterhaltungswert und einen Haufen ziemlich ausgeflippter Musik. Wobei „Musik“ bei ihm ein geschüttelter und absolut ungerührter Mix aus Zappa, Mingus, Elektronik, Rock, Jazz und wer weiß was sonst noch alles ist. Ein Hör-Spiel. Das sind diese elf Etappen für die drei wildgebliebenen Trio-Phantasten. Ein tongue-in-cheek-Hörspiel zwischen suggestiv wiederholten Heavy-Metal-Motiven („Step up the tower“), Kohlenkeller-Rock („Cyber crusade“), Anarcho- und Anfänger-Gefingere („Happy song“), futuristischem Minimalismus („Il purgatorio“ ), Zehenspitzen-Krimimusik à la Sixties („Carlo Gesualdo „), Satire-Soundtrack („Cash Flow“) bis hin zu Katzentatzen: Moderne („Devil dance“) und schließlich – „Laying hands on Hans Hansson“ – einer glänzend platzierten Edelposse über „Sentimental Journey“ irgendwo zwischen C&W und extrahöhenfipsig justierter Swing-Nostalgie. Kreativ-Irrwitz. Zum Piepen. Und einfach wieder richtig gut, bestens geerdet und musikalisch wie technisch nur scheinbar lässig aus den Ärmeln geschlenkert. Johnny und Kalle und die Jungs- die können abhängig machen.“
Jazzpodium, Alexander Schmitz, 4/2014

Ein Einstieg wie ein Faustschlag. Und ein Album wie ein Sturm durch saturierte ästhetische Gefilde. Das Trio des Gitarristen Kalle Kalima mit dem Bassisten Chris Dahlgren und Drummer Eric Schaefer gestaltet seine musikalische Läuterung nach der Höllenfahrt mit einer Lust an der beiläufigen Provokation, die zum Schmunzeln verleitet. Da wird akustisch zersägt und frisch verschraubt, herbe Post-Rock-Gitarrenklänge treffen auf Quasi-Balladen, harmonische Erwartungen werden souverän negiert. Überhaupt ist „Il Purgatorio“ ein Sammelsurium der Relativierungen. Alles fließt, Jazz ist Humor, Avantgarde ein Witz, den man nur verstehen muss.“ (RD)
Stereoplay 4/2014

Ab in die Hölle und ins Fegefeuer mit Johnny La Marama, dem Namensgeber dieses Trio infernale um den finnischen Gitarristen Kalle Kalima, dem amerikanischen Bassisten Chris Dahlgren und dem deutschen Schlagzeuger Eric Schaefer. II Purgatorio heißt das vierte Album des Trios, das Fegefeuer- und Bildausschnitte von Hieronimus‘ Boschs Garten der Lüste, dem rechten Innenflügel mit dem Titel
„Die musikalische Hölle“, unterstreichen ihr Unterfangen. Kalimas neustes Werk ist die Fortsetzung der Geschichte um Johnny La Marama, der sich auf die Suche nach seinem lange verschollenen Freund und Cousin Hans Hansson macht. Der soll sich auf einer der sieben Terrassen befinden, am Fuße des Mount Purgatory, und das Mysterium von Liebe und Verlust zu lösen versuchen. Folglich begibt sich Marama auf die Suche, mit dem römischen Dichter Virgil als Beistand. Und diese Suche reißt einen mit, lässt einen stolpern, ins Mahlwerk geraten, durch Strudel gesaugt werden, um schließlich nach elf Songs wieder ausgespuckt zu werden, wiedervereint und versöhnt mit Hans Hansson, der auf der letzten Ebene im Arm von braunhäutigen Schönheiten liegt, musikalisch umrahmt vom Wohlklang und der Harmonie hawaiianischer Gitarren. Auf der Reise dahin geht das Berliner Trio mit seinen Zuhörern aber wirklich durch die Hölle, es klingt bedrückend, unheimlich, einschüchternd, in die Enge treibend und immer spannend. Die Kompositionen geben genau die Orte der Reiseroute an, die dem Zuhörer in den Liner Notes als Kompass an die Hand gegeben werden. Was Kalle Kalima an Sounds anbietet, wie die drei zusammenspielen, das ist großartig und hat eigentlich nichts mit den Bildern von Bosch zu tun. Wird man mal an die musikalische Hölle erinnert, dann tun die „Foltergerätschaften“ aka Musikinstrumente des Trios allerdings in keiner Weise weh.“
Jazzthetik, Angela Ballhorn, 3/2014

„Hinter dem Kunstnamen Johnny La Marama verbirgt sich ein Berliner Trio, das den Jazz als Spielwiese für ihre musikalischen Experimente nutzt.
Johnny La Marama haben in der Presse- und Musikwelt bereits mit ihrem Debüt für viel Aufmerksamkeit gesorgt, das bezeichnenderweise den Titel „…Fire“ trägt,. Es ist ihre unkonventionelle Art, die begeistert, wenn das Trio Jazz mit zahlreichen Genres mischt, und dadurch eine faszinierende Dynamik und Energie freisetzt. Seitdem sind drei Jahre verstrichen, in denen der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der amerikanische Bassist Chris Dahlgren und der deutsche Schlagzeuger Eric Schaefer in zahlreichen Projekten neue Erfahrungen gesammelt haben, unter anderem Letzterer bei dem grandiosen Jazztrio [em]. All diese flossen nun in das Nachfolgealbum „Bicycle Revolution“ ein, das in seiner Art wiederum einzigartig ist. Denn erneut wirbelt das muntere Trio gängige Konventionen durcheinander, wie man bereits bei dem Eröffnungssong „Andy Summers“ hören kann. Der Titel ist eine Reminiszenz an das Spiel des gleichnamigen Police Gitarristen, das sie im weiteren Verlauf des Tracks mit Frank Zappa-Variationen versetzen. Und „Columbine And Mingus“ ist wiederum eine Ehrerbietung an den legendären Jazzbassisten Charles Mingus. Der melodietragende Kontrabass wird mit sanften Slide-Gitarre-Tönen kombiniert, während im Hintergrund die Jazzbesen über die Snair wischen. Irgendwo zwischen diesen beiden Polen, zwischen Rock und Jazz, zwischen Summers und Mingus, sind die einzigartigen Johnny La Marama anzusiedeln. Sie sind Querdenker und Musikliebhaber, und vor allem kennen Johnny La Marama keine Berührungsängste. Wer Überraschungen liebt, wird seine wahre Freude mit den drei Jungs haben, denn ihre Songs sind unberechenbar schön.“
www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/, Matthias Schneider

„Johnny La Marama – Der vierte Mann
Um Johnny La Marama zu verstehen, muss man ein wenig über die Geschichte des Gesamtkunstwerkes wissen. Ersonnen einst in der Romantik, ad absurdum geführt in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, spukt es als Konzept noch immer durch die Walhalla der europäischen Kulturgeschichte. Trifft es auf Ouerköpfe wie den Gitarristen Kalle Kalima, den Basisten Chris Dahlgren und Schlagwerker Eric Schaefer, pasiert etwas Sonderbares. Dann kann aus dem Geiste global-urbaner Ironie eine Fantasie-Figur wie Johnny La Marama entspringen, die als Folie für haarsträubende, zuweilen urkomische Musik dient. Denn dieser fiktionale Halbwelt-Loser ist der Nabel, um den sich die Klanganarchie desTrios dreht.
Seine imaginäre Biografie ist der Bezugspunkt von ,,Bicycle Revolution“ (Iraumton/lndigo), einem wunderbar verschrobenen Kommentar zur ldee der großen Kunst. „Wir saßen im Flieger“, erinnert sich Eric Schaefer an die Anfänge des aktuellen, dritten Programms der Band. ,,Chris hatte den ,Economist‘ dabei und fand einen Artikel über Bob Denard, einen französischen Söldner, der Militär-Coups in vielen Ländern der Erde gelandet hat. Er hat seine Aktionen oft mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Gummiboot ausgeführt, und das war so absurd, eine Mischung aus Lachnummer und einem Symbol für das koloniale Frankreich, dass wir uns diese Figur irgendwie angeeignet haben. Denn sie hatte auch etwas Lyrisches – woraus die verschiedenen Geschichten der Lieder entstanden, von denen wir glauben, dass Johnny sie erleben kann.“ Das Konzept der Sublimierung des Konzeptuellen in der Stilisierung ist die eine Seite. Darüber hinaus ist Johnny La Marama eine der cleversten Gitarrenbands, die die Berliner, eigentlich sogar die europäische Szene derzeit zu bieten hat. Denn Kalima, Dahlgren und Schaefer gelingt es mit betörender Lakonik, als Jazzer zu rocken, bis die Röhren knacken. ,,Bicycle Revolution“ hat Garagenflair und Dada-Esprit, es verquirlt den ganzen Post-Prog-Rock-lmpro-Schwurbel ambitionierten Lärm-Gelümmels zu einem persönlichen Statement dreier famoser Musikclowns, die sich unüberhörbar blendend verstehen.“
Jazzthing #78, Juni 2009, Ralf Dombrowski

„Was gibt es schöneres, als sich jetzt im fortgeschrittenen Frühjahr auf das Fahrrad zu setzen und ins Grüne zu radeln. Aber Vorsicht! Passen Sie auf Ihrer Tour auf, dass Ihnen nicht Johnny La Marama in die Quere kommt. Der hat nämlich die Fahrrad-Revolution ausgerufen und rast so manches mal übermütig von rechts nach links über die Fahrbahn, natürlich ohne sich um andere Verkehrsteilnehmer zu scheren. Da hilft es nur, vom Rad zu springen oder diesem zweirädrigen Verkehrsanarchisten einen Stock zwischen die Speichen zu schieben. Aber auch ein Sturz wird seine Amokfahrt nur kurz unterbrechen. Johnny La Marama ist nicht der Typ, der liegen bleibt.
Die Kunstfigur Johnny La Marama, hinter der sich das Trio um den finnischen Gitarristen Kalle Kalima, den amerikanischen Bassisten Chris Dahlgren und dem deutschen Schlagzeuger Eric Schäfer verbirgt, wütet auch auf seiner dritten CD„Bicycle Revolution“ gegen den Zeitgeist. Kalle Kalima lässt dabei seine Gitarre zuweilen in heftig fräsenden Tönen aufjaulen, was starke Affinität zum härteren Rock zeigt, als man Jazzmusikern gemeinhin zugestehen mag. Und doch bleiben die Melodien trotz ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität fragmenthaft und zuweilen brüchig. Es ist ein Sound, der alles zulässt und nichts ausschließt. „Wenn Johnny ruft, müssen wir uns treffen,“ hatte Eric Schäfer schon über das letzte Album gesagt, und es scheint ganz so, als hätte dieser wilde Zeitgenosse immer noch Gewalt über seine drei Gefolgsleute. Johnny La Marama feiert also wieder eine musikalische Orgie, und wir dürfen akustisch dabei lauschen. Ein Hoch auf die Revolution!“
Jazz Corner, 31.5.2009

„Frank Zappa hätte seine Freude gehabt, Charles Mingus und Karlheinz Stockhausen auch: Guerillabehaftete und unberechenbare Avantgarde trifft Jazz und kreuzt sich mit wagemutigen Gitarrenriffs, spektakulären Bassläufen sowie treibenden Trommelsquenzen. Hinter dem Trio steckt der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der Amerikaner Chris Dahlgren am Tieftöner sowie der Berliner Eric Schaefer am Schlagzeug. Vom Jam-Vergnügen in imaginären Sphären bis zum Underground-Trash zeigt sich die nicht zu bändigende Troika experimentierfreudig.“
Kieler Nachrichten, Dieter Hanisch, 5.5.2009

„Drei Herren aus Berlin, die die Wände wackeln lassen. Der Finne Kalle Kalima (Gitarre), der Amerikaner Chris Dahlgren (Bass) und der Deutsche Eric Schaefer (Drums) haben sich unter dem Namen „Johnny La Marama” dem experimentellen Gitarren-Jazz verschrieben und toben sich dort nach ihrer Herzen Lust weidlich aus. Das kann im geordneten Chaos enden, aber auch im destruktiven Wohlklang. Alle drei Protagonisten kommen aus separaten Projekten, entsprechend individuell sind Ansichten, Vorstellungen und Vorlieben, entsprechend verquer der Sound. Und doch kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Denn gerade weil hier ein sich ständig erneuernder musikalischer Katastrophenzustand heraufbeschworen wird, sitzt man zeitweise wie ein paralysierter Hase im Scheinwerferkegel bzw. vor den Lautsprecherboxen, fasziniert von so viel Jam-Session und leidenschaftlicher Spielwut. Als Inspirationsquellen dienen den drei Musketieren so unterschiedliche Quellen wie der Police-Gitarrist Andy Summers, der Jazz-Bassist Charles Mingus oder der Fusion-Sound der frühen 70er. Dazwischen immer wieder kleine Verschnaufpausen, die dem Hörer Gelegenheit geben, sich auf das nächste Experiment einzulassen. Das epische „Lawrence” ist dabei genauso erwähnenswert, wie die eisigen Ton-Skulpturen des Stückes „Krysztal Palace”, wo sich die drei radfahrenden Klang-Revolutionäre von einer ganz milden Seite zeigen. Nach dem „Fire”-Album aus 2006 jetzt also der nächste massive Coup.“
www.sound-and-image.de, 12.5.2009

„Man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass diejenigen, die 2006 ,,Fire!“, das zweite Album von Johnny La Marama, bewunderten, unablässig nach neuem Stoff fragten. Eine Zeit lang konnten die unerhörten Live-Performances von Johnny diese Nachfrage noch befriedigen. Aber jetzt ist es wirklich hohe Zeit für ein neues Lebenszeichen. „Johnny lässt sich nicht festlegen“, sagen drei Musiker, die es wissen müssen, weil sie seit Jahren einen guten Draht zum viel Gepriesenen haben. Gitarrist Kalle Kalima, Bassist Chris Dahlgren uns Schlagzeuger Eric Schaefer sind in der Berliner Szene in zahllose Proiekte verstrickt, haben aber im Hinterkopf noch immer reichlich Platz für persönliche Vorlieben und Erinnerungen. Vielleicht ist es das, was Johnny ausmacht: Alles ist erlaubt! Das Meiste davon wird gerne gleichzeitig durch den Fleischwolf gedreht: Zappa meets Free Funk, Dada meets Blues, Hendrix meets Mingus, Meters und Space Rock meet bewusstseinserweiternde Substanzen – klar, ein Song hat einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss. Über die jeweilige Reihenfolge lässt Johnny leider nicht mit sich reden. Wer mehr erfahren will, lese die Linernotes von der Jazzkritiker-Koryphäe Dr. Feonard Leather. Aber man hört es auch so: ,,Bicycle Revolution“ ist der Sound der Stunde, des Jahres, des vergangenen Vierteljahrhunderts. Mindestens! “
NOTES, uk, April 09

„Wir lesen ehrfürchtig das, was früher einmal booklet hieß und für das unfallfreie Konsumieren einer heiligen Jazzplatte dienen sollte. Der Text stammt von einem gewissen Dr. Feonard Leather (sic!). 1:0 für Johnny La Marama, schon bevor der erste Ton erklingt. Dann brettert „Andy Summers“ (wie der legendäre Police-Saitenknarzer) durch die Boxen: schnell, schrill, schräg, muchos Gitarre, noch mehr drums, Pre-Punk. Guter Job von Kalle Kalima, Chris Dahlgren und Eric Schaefer. Im Ttelsong „Bicycle Revolution“ wollen sie uns trickreich dazu verführen, Aufs Fahrrad umzusteigen. Müssen echt durchgeknallt sein, die Typen, trotz all der wunderbar kribbeligen afrikanischen Beats und der hippen Slam-Poetry-Einwürfe im Franzmann-Dialekt. Die atemberaubend hohe Schlagzahl bleibt. Johnny soll angeblich „Eugene’s Bastard Son“ sein, Balg eines lausigen Banjospielers. Wer’s glaubt. Überhaupt beschreiben die Titel den Gehalt der Musik besser als es ein professioneller Wort-Improvisator: „Columbine And Mingus“, „Hymn Of The Next Five Years“ und natürlich „Your Jazz Is Dead“. Eigentlich klar, weil Pappa Zappa höchstselbst seine zigarettengelben Finger über den Laden hält. Aber auch andere wie Albert Ayler, Antonin Artaud und Timothy Leary mischen bei der La-Marama-Revolution kräftig im Geiste mit. Wie weiland Che, Marx und Fidel: It’s about what people need!“ (rk)
Jazzthing April/Mai 2009

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