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Peter Bruun – All Too Human

Peter Bruun_drums, bass
Simon Toldam_keys
Marc Ducret_guitar
Kasper Tranberg_trumpet

www.peterbruun.info

New CD: ALL TOO HUMAN, Ayler Records, Release: 03/2018

All Too Human

‘Weniger ist mehr’ ist ein hinlänglich bekannter Spruch. Der Spruch ist ein Oxymoron dank seines paradoxen Gehalts. Paradoxa sind dazu angetan, eingefahrene Wahr- nehmungs-, Denk- und Handlungsmuster zu durchbrechen und zu überschreiten.
In diesem Sinne prägten die alten Griechen diesen Ausdruck. Die Musik der neu- gebildeten Einheit All Too Human/Allzu Menschlich(es) ist einfach, ohne einfach zu sein. Sie ähnelt einer Menge Bekanntem genauso wie dem Unbekanntem. Sie hat Märchenqualitäten, und wie wir wissen, können in Märchen wundersame Dinge geschehen. Die Musik ist bodenständig und kommt von weit her. Sie ist in gleichem Maβ von der Avantgarde wie dem gewöhnlichen Umgangston geprägt, ist zugänglich und geht weit darüber hinaus.

Schlagzeuger Peter Bruun aus Kopenhagen hat in seiner musikalischen Karriere schon oft bewiesen, dass er sich in auch in paradoxen musikalischen Settings bestens zurecht findet.
In dieser neuen Einheit hat er drei gleichgesinnte Schaffensgenossen unter dem All Too Human/Allzu Menschlich Banner vereint. Im Lauf der Jahre haben ihn eine beträchtliche Reihe von Expeditionen mit seinen Mitmusikern, dem Pianisten Simon Toldam, dem Gitarristen Marc Ducret und dem Trompeter Kasper Tranberg in unbekannte Gefilde geführt, wodurch die vier inzwischen auf einer tieferen Ebene in der musikalischen Interaktion miteinander verbunden sind und sich miteinander verbinden können.

Beinhaltet das ATH-/AMen-Banner nun etwa ein Um- oder Runterschalten oder gar ein SichNeuerfinden? Ja und Nein! Die Musik der Gruppe kombiniert – wie in Märchen – die Vorstellung Übersteigendes mit der Akzeptanz des Offensichtlichen. Es manifestiert sich in Bruuns eigener Rolle der Bedienung der Bassfunktion über eine Tastatur in seiner rechten Hand und simultaner Bedienung des Schlagzeugs mit seiner linken Hand. 1+1 =1 in diesem Fall. Vertraute Dinge in neuem, unvertrautem Licht zu präsentieren, um Erlebnisse freudiger Überraschung hervorzurufen, ist der Kern von Unterhaltung. Es ist auch der Kern dieses musikalischen Unternehmens.

Die einladende Musik des Albums könnte Zuhörer entfernt an Bowie’s “Space Oddity” erinnern oder einen Hauch von David Lynchs Kinematik verbreiten. Dank der kristallklaren Gitarre Marc Ducrets, Toldams schimmernden Vintage-Keyboards und Kasper Tranbergs einwölkender Trompete verwandelt sich im Laufe der nächsten Minuten alles allerdings immer in eine ureigene neue Gestalt. Die klare und kraftvolle Musik voller Schärfe mit ihrem starken inneren Swing und ihrem heißen, brennenden Lava-Kern, bereitet einen solide ansteckende Grundlage, eine Grundlage, auf der Zuhörer und Musiker sich in dem gemeinschaftlichen Spiel, den Klängen vorübergehende Signifikanzen zu verleihen, finden und treiben lassen können.

Photos: For hi-res pictures, click on the picture below.

Live picture by Peter Gannushkin

Portrait by Kajsa Gullberg

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