[jazzIndeed with Michael Schiefel]
Konzerte ganzjährig auf Anfrage
Michael Schiefel (voice), Jan von Klewitz (sax), Bene Aperdannier (piano)
Paul Kleber (bass), Rainer Winch (drums)
Homepage: www.actmusic.com
Fahrn, Fahrn, Fahrn auf der Autobahn (Hartmut Goetze)
Aktuelle CD: Blaue Augen
ACT: young german jazz
ACT 9651-2 www.actmusic.com
Veröffentlichung 28.03.2005
Sentimental? Auf gar keinen Fall! Naiv auch nicht, wie es die Neue Deutsche Welle damals war, Anfang der 80er. Eher ziemlich real! Und selbstbewusst! Die blauen Augen sind weit offen, blicken aufmerksam, offensiv und kritisch in die Welt. Ziemlich abgeklärt, dabei noch gar nicht so alt: jazzIndeed! Young German Jazz: Zweiter Streich.
“Deja Vu” – da war doch mal was, Pop made in Germany, NDW. “Der deutsche Soundtrack unserer Jugend”, sagt Michael Schiefel dazu, der phantasmagorische Sänger mit dem doppelbödig-androgynen Touch in der Stimme. Der tummelt sich schon seit etlichen Jahren in der Berliner Musik-Szene, solo mit “Invisible Loop”, “I Dont Belong” oder “Gay”, als Gast in der “Symphonie aus der wilden Welt” und mit Thärichens Tentett on “The Thin Edge”, gilt als Stimmwunder und als eine der großen Gesangshoffnungen deutscher Zunge. Hat neben einer Gesangsprofessur in Weimar auch satte Bühnenpräsenz zu bieten.
Dazu dann die lang erprobten Hauptstadt-Täter Jan v. Klewitz am Saxophon, Bene Aperdannier an den Tasten, Paul Kleber am Bass und Rainer Winch am Schlagzeug – ein morbid-melancholisches Kreativkollektiv mit Groove und Sinnlichkeit schon auf “Who The Moon Is” oder “Under Water”.
Apropos Wasser. “Jetzt treiben wir rum auf dem toten Schiff und warten bis die Zeit vergeht.” Ziemlich geniale Zeilen, wie sie Herwig Mitteregger, Joachim Witt oder Rio Reiser damals geschrieben haben in den goldenen Zeiten der NDW, ziemlich visionär, nicht einfach alles Lüge. Und ziemlich genial, auch ziemlich visionär, was fünf Jazzer aus Deutschland mit solchem Erbe anstellen. “Fahrn, Fahrn, Fahrn Auf Der Autobahn” mit “Andy Warhol” und der “Inflation im Paradies”. Nicht etwa in feucht-fröhlichem Spaßgesellschaftsgehoppel. Schließlich ist ja ganz schön was passiert in Deutschlands Hauptstadt, seit der goldene Reiter in die Klinik eingewiesen wurde.
Bei jazzIndeed darf er sein, was ihm in den Hitparaden verwehrt war: “Ein Kind dieser Stadt”. 2005 taucht er also wieder auf. Geläutert? Jedenfalls kommen hier Jazzer mit eigenen Roots, bekennende Pop–Sozialisierte ohne
Berührungsängste und Denkbeulen. Lang genug hat’s gedauert, dass in Deutschland gewagt wird, was im Mutterland des Jazz schon immer selbstverständlich war. Selbst John Coltranes erfolgreichste Platte bezog sich auf Popmusik: Standards eben – “My Favourite Things”. Darf man also, machen die Franzosen und Skandinavier ja auch, ohne irgendwelche künstlerische Gewissenverknotungen. Wird höchste Zeit, dass auch bei uns der Jazz aus der Intellektuellen–Ecke rauskommt. Muss ja kein Qualitätsverlust sein, wenn man den Traditionsbegriff erweitert um die eigene Erfahrungswelt. “Wir spielen Deutsch. Die 80er. Unsere Hits. In der Tat … Es gibt Geschichten zu erzählen …” Young German Jazz! Mehr davon! Solche blaue Augen hören wir gern. Jazz, indeed!
Kurzbios
Michael Schiefel – Gesang/ Electronics
geboren 1970, studierte von 1991 bis 1996 Jazzgesang an der HdK Berlin. Neben seiner Arbeit mit jazzIndeed tourt er seit einigen Jahren mit großem Erfolg mit seinen Solo- und Trio-Programmen („Invisible Loop“, „I don’t belong“, „Gay“) durch Deutschland und Europa. Außerdem beteiligt er sich regelmäßig an diversen Projekten, insbesondere bei “Thärichens Tentett“. Seit 2001 ist er Professor für Jazzgesang an der Hochschule für Musik in Weimar.
Jan von Klewitz – Saxophon
geboren 1964, Jazzstudium an der Musikhochschule Köln, Mitglied des Deutsch-Französischen Jazzensembles unter der Leitung von Albert Mangelsdorff, Mitwirkung im Berlin Contemporary Jazzorchestra mit Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Aki Takase. Mehrere Plattenproduktionen für Jazzhaus Musik Köln, Mood Records und Alex Merck Music Köln. Außerdem Zusammenarbeit mit Wolfgang Dauner, Heinz Sauer, Bob Degen, Michel Godard, Steve Arguelles. Mitglied der Berliner Band Yakou Tribe sowie im Norbert Scholly Quartett mit Dietmar Fuhr und Jochen Rückert.
Bene Aperdannier – Piano/Keyboards
geboren 1966, Jazzstudium an der HdK Berlin von 1989 bis 1995. Zusammenarbeit mit Mathias Ruegg (Vienna Art Orchestra), Jean-Paul Bourelly, Billy Bang, Ed Schuller, Kenny Martin, Paul Brody, Nina Hagen und Udo Lindenberg. Plattenproduktionen mit Eric St.Laurent und Dave Binney. Tourneen mit den Reality Brothers und Cultured Pearls sowie Keith Tynes. Auftritt auf dem JVC-Festival New York. Ballettmusik für die Choreographin Maguerite Donlon (Staatstheater Saarbrücken) sowie Filmmusikproduktionen für Detlev Buck (”Liebe deine Nächste“).
Paul Kleber – Bass
1973 in Berlin geboren, spielte Paul Kleber schon in früher Jugend Cello und Jazz-Schlagzeug, bevor er zu seinem Hauptinstrument, dem Kontrabass wechselte. Er absolvierte ein klassisches Kontrabassstudium an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” Berlin und ein Jazzstudium an der Universität der Künste Berlin. Er ist neben “jazzIndeed” Mitglied der Elektronik Formation “Micatone” und Gründungsmitglied des “Lisa Bassenge Trios” sowie der Deutsch- Chanson-Formation “Nylon”.
Rainer Winch – Drums/Percussion
geboren 1968, studierte Schlagzeug im Fachbereich Jazz der HdK Berlin und am „Banff Center of the Arts“ in Kanada. Er spielte u.a. mit Kenny Wheeler, Jim Hall, Joe Haider, Sigi Busch, Mark Levine oder Wolfgang Muthspiel und beteiligte sich an Plattenproduktionen von
Paul Brody, dem “Kai Brückner/ Jan v. Klewitz Quartett“, dem Julia Hülsmann Trio, dem Jacobien Vlasman Quartet, dem Lisa Bassenge Trio und der Band Yakou Tribe.
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Back Katalog:
Under Water Traumton CD 4415
Who the moon is Traumton CD 4427
