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So.Weiss

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On Tour ganzjährig auf Anfrage


Susanne Folk: saxophone, clarinet - Kristiina Tuomi: vocals - Roland Fidezius: doublebass

Homepage: www.soweiss.de
MySpace: myspace.com/susannefolk

Aktuelle CD: Happiness For A Moment
Traumton Records 4519 / Soundfiles - myspace.com/susannefolk
Veröffentlichung 14.04.2006

SO WEISS    Happiness for a Moment

Glücksmomente sind flüchtig: in jedem verheißungsvollen Beginn lauert oft Desillusionierung oder drohende Gewohnheit. Die Vergänglichkeit schöner Erlebnisse machen diese so kostbar – und deren Abstinenz so schmerzhaft. Das Berliner Jazzpop-Trio So Weiss findet für solche Zustände skeptischer Hoffnung, wehmütiger Erinnerung und hart errungener Selbstvergewisserung musikalische Entsprechungen, die direkt ins Herz zielen.

Die meist nur auf Gesang (Kristiina Tuomi), Klarinette/Saxophon (Susanne Folk) und Kontrabass (Roland Fidezius) reduzierten Stücke von So Weiss haben in ihrer Melodik weit mehr mit keltischen Balladen, französischen Chansons oder romantischen Kunstliedern gemein als mit Broadway-Klassikern. Gleichwohl sieht sich die Komponistin und Arrangeurin Susanne Folk vom American Songwriting beeinflusst. Jedoch nicht die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern vielmehr deren letzte Dekade war für die dreißigjährige Deutsch-Amerikanerin prägend, als mit Tori Amos, Paula Cole und Alanis Morissette gleich mehrere Musikerinnen durch ihre Hits bewiesen, das Emotionalität und Eingängigkeit sehr wohl harmonieren können.

Auch auf Happiness For A Moment, dem zweiten Album von So Weiss (das Debüt Hunter/Dancer erschien 2006 ebenfalls bei Traumton) schließen es geschilderte Sinnkrisen („I’ve Got It All“, „Drifting Off“), Vertrauensbrüche („After All This“) und Kommunikationsstopps („Silent“) nicht aus, rhythmisch leichtfüßig umgesetzt zu werden. Alle genannten Stücke orientieren sich an den Regeln für ausgefeilte Popsongs, die – und das ist hierbei stets der Gradmesser – insbesondere in der Minimalbesetzung funktionieren. Dazu braucht es neben dem Gespür für abwechslungsreiche Arrangements natürlich entsprechend versierte Instrumentalisten. Und im Falle von So Weiss handelt es sich um eine jazzgeschulte Band, deren Mitglieder in zahlreichen anderen international agierenden Formationen (u.a. Kenosha Kid, Odd Shot, Tuomi) mitspielen und im Laufe ihrer noch jungen Karriere von solch Koryphäen wie Maria Schneider, Steve Coleman, Frank Möbus, Greg Osby und Kenny Wheeler wertvolle Lektionen erhielten.

In jedem der dreizehn Lieder auf Happiness For A Moment bekommen die einzelnen Stimmen ihren Raum: sie reagieren aufeinander, ergänzen sich, erklingen mal unisono oder werden durch weitere Instrumente (Akkordeon - Tino Derado, Perkussion - Ketan Bhatti) behutsam ergänzt – immer mit der Transparenz, die das jeweilige Stück braucht. Im Unterschied zum Vorgängeralbum Hunter/Dancer überwiegen diesmal Susanne Folks selbstgeschriebene Texte gegenüber den Lyrik-Adaptionen. Doch immerhin fünf Bearbeitungen von Poeten englischer (Ben Johnson, Sir Thomas Wyatt, John Keats), irischer (W.B. Yeats) und amerikanischer (Robert Frost) Herkunft verdeutlichen, dass Susanne Folk der Lektüre alter Gedichtanthologien weiterhin viele Inspirationen verdankt. Auch wenn sich dies musikalisch zumeist anders äußert als bei ihren eigenen Texten.

Während etwa Yeats’ „White Birds“ und Frosts’ „My November Guest“ auf einer durchgängigen Melodielinie basieren und sehr von der Atmosphäre (inklusive kontrabassgeneriertem Möwengeschrei und madrigalartiger Chöre) leben, bedient sich Susanne Folk bei ihrer Balladentrilogie gegen Mitte des Albums der wirkungsvollen Elemente dramatischer Popsongs. So besteht der Titelsong nur aus einer Strophe, die dreimal in unterschiedlicher Intensität die Frage aufwirft, ob es sich beim gerade empfundenen Glück nur um ein temporäres Gefühl handle oder doch alles einen anderen Verlauf nehmen könne. Dabei kommen in Kristiina Tuomis Gesang jeweils unterschiedliche emotionale Facetten - von der sanftmütigen ersten Vergewisserung über ein ungläubiges Infragestellen bis hin zum Flehen – zur Geltung.

„ Silent“ verblüfft daraufhin mit abrupten Tempo- und Arrangementwechseln (das harmonische Akkordeon & Klarinetten-Intro wird unmittelbar von Stimme & Bass abgelöst), welche die Stimmungsschwankungen der Protagonistin, die nicht weiß, wie sie das Schweigen des Geliebten zu deuten hat, passend zum Ausdruck bringen. Und „The End Of Me“ zeichnet die Entwicklung einer Verlassenen in drei melodisch unterschiedlichen Teilen nach: den mit Fassungslosigkeit vorgebrachten Vorwürfen („I guess you didn’t realize that you were half of me“) folgt eine wehmütige Rückschau, die schließlich darin mündet, dass die Ich-Erzählerin dem Ex-Partner auch noch die verbliebene Hälfte anbietet, da sie nichts mehr damit anzufangen weiß: „You can take it all with you when you go away“. Ein tieftrauriger, aber bis zuletzt zärtlicher Abschiedsrefrain, welcher sich auch auf dem Soul Cages-Album von Sting gut gemacht hätte. Denn entgegen dem Titels eines Sachbuch-Megasellers sind es eben oft beide Geschlechter, die „zu sehr lieben“. Und So Weiss haben mit Happiness For A Moment ein Werk voll ergreifender Intensität und kathartischer Kraft geschaffen, auf dessen Langzeitwirkung man vertrauen darf.

© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

Pressestimmen:

“Der Titelsong beginnt als entschlacktes Bass-Gesangs, beinahe kammermusikalisch. Kristiina Tuomis angenehm samtene, auch in höheren Lagen nicht versiegende Stimme durchwandert poetische Labyrinthe. Das Gleichgewicht zwischen Text und Musik, das So.Weiss ohnehin als außergewöhnliche Band markiert, verschiebt sich auf dem zweiten Album stellenweise sogar in Richtung einer sprachlichen Fokussierung. Instrumente dienen der Untermalung der poetischen Botschaft. Susanne Folk, die auch die Texte schreibt, schwebt mit Saxophon und klangfülliger Klarinette über den feinsinnigen Kompositionen. Dazu setzt Roland Fidezius’ Kontrabass eine bedächtige, dunkle Gegenstimme. Im Dialog mit Tuomis fragilem Timbre entstehen dichte Passagen, aber auch Freiräume mit improvisatorischem Gehalt, exemplarisch bei “After All This” voll charmantem Rhythmus und anklagenden Worten an den (fiktiven) Ex. Fremdmaterial kommt von Sir Thomas Wyatt aus dem Spätmittelalter (”I Find No Peace) oder Robert Frost aus dem letzten Jahrhundert (”My November Guest”). Im Grunde geht es darum, glücklich zu sein. Selbst wenn dieses Gefühl nur kurz andauert.” hd
Jazzthing, September/Oktober 2008

“Musikalische Stimmungsbilder
Zwischen Folk und Jazz: Das Trio „So.Weiss“ im Apex
Verdammt jung sind die Musiker des Berliner Trios „So.Weiss“, das mit seinem neuen Programm im Göttinger Apex gastierte. Und sie machen verdammt gute Musik. Poetisch, folkig, jazzig kommen die Klänge der Sängerin Kristiina Tuomi, des Bassisten Roland Fidezius und der Saxophonistin und Klarinettistin Susanne Folk daher. Einzuordnen ist ihre Musik nicht, sie bewegt sich irgendwo zwischen Folk und Jazz, mit viel Raum für Improvisation. Wunderschöne, Melodien finden zueinander und verlieren sich wieder wie im Tanz der Libellen auf einem See.
Anmutig und verspielt sind die Kompositionen von Susanne Folk, von der alle Songs des Abends stammen. Kraftvoll und klar die Stimme von Kristiina Tuomi, die ihren Halt in sich selbst findet und den melancholischen Songs eine große Gefühlsbandbreite verleiht. Den richtigen Rhythmus im Blut hat Roland Fidezius, der mit seinem Kontrabass die schwermütige Atmosphäre untermalt. Obwohl ein Harmonie-Instrument in der Besetzung fehlt, schaffen es die drei Musiker, eine innere Verbundenheit der Instrumente und der Stimme zu erreichen.
Hitze des Sommers
Lyrisch auch die Texte von dem englischen Romantiker John Keats, Ben Johnson, einem Dramatiker des 17. Jahrhunderts und William Shakespeare, welche das Trio für seine musikalischen Stimmungsbilder verwendet. Moderne Texte von Susanne Folk über die Hitze des Sommers in der New Yorker Subway ergänzen die altehrwürdigen Dichtungen kongenial. In vielen Songs schmiegt sich Folks Saxophon sanft an die Stimme der Sängerin Tuomi, bevor es wieder in die Improvisation abdriftet. Alle drei Musiker lassen sich den größtmöglichen Freiraum zum Spiel und Gesang, was den größtmöglichen Genuss ergibt.
Schön, aber nicht gefällig ist die Musik von „So.Weiss“ auf ihrer neuen CD „Hunter/Dancer“. Um mit dem letzten Songtext des Abends zu sprechen: „There is nothing left to argue.“ Nein, wirklich nicht.”
Göttinger Tageblatt 07.10.2006, Birgit Nipkan

“Bandfabrik:
Lyrik, Jazz und viel Gefühl
(has). Die Kombination von Lyrik und Jazz ist nicht immer von Erfolg beschert. Leseratten stören sich bisweilen an den Tönen und Musikfans an den Worten. Dass dem nicht immer so sein muss, stellte das Trio „So.Weiss“ am Samstagabend in der Bandfabrik eindrucksvoll unter Beweis.
Sprachlich zeigten sich Vorlieben für englische Texte, etwa von Shakespeare („So White“) oder John Keats („La belle dame“). Aber auch eigene von der Saxofonistin, Klarinettistin und Komponistin Susanne Folk („Subway“, „Hunter/Dancer“) gehörten zum Programm und wurden nicht einfach nur rezitiert. Sängerin Kristiina Tuomi trug die Verse mit ihrer wandlungsfähigen Stimme vor – gefühlvoll, klar, durchsichtig, schlicht, lyrisch und mit einem melancholischen Touch.
Dazu zupfte Roland Fidezius seinen Kontrabass mit treibendem Groove, an anderer Stelle entlockte er ihm große, runde gestrichene Töne. Folk begeisterte mit einer warmen lyrischen Tongebung.
Beide Instrumentalisten korrespondierten vorzüglich mit der Sängerin. Streng komponierte, zum Minimalismus tendierende Passagen wechselten mit kunstfertigen solistischen Einlagen.
Das Konzept, Texte mit parallel geführten Melodien und Improvisationen zu koppeln, ließ aufhorchen. Von „So.Weiss“ wird in Zukunft sicherlich noch viel Spannendes zu hören sein.”
WZ (Westdeutsche Zeitung), 09.10.06

“AVIVA-Tipp: Wer Sinn für das Tragische und Melancholische hat, ist mit So.Weiss auf der sicheren Seite! Und wenn man dann noch ein Faible für klassische Literatur hat, ist dieses Album ein Hörbuch, dass die erschöpften Augen endlich zur Ruhe bringt … ”
aviva-berlin.de, 20.6.2006

“Man stelle sich John Keats Ballade „La Belle Dame“ gesungen – etwa von Sally Oldfield – vor und landet unweigerlich beim edlen Kitsch. Man höre nun genau diesen Text vom Trio „So.Weiss“ und kommt ins Schwärmen, alleine schon der ungewöhnlichen Besetzung wegen. Saxophonistin Susanne Folk (eine in Berlin lebende Braunschweigerin), Bassist Roland Fidezius und die finnisch-deutsche Sängerin Kristiina Tuomi interpretieren den Song (Komposition S.Folk), dass der Hörer sich in die Welt de Elfen und Könige versetzt sieht, sich Lyrik und Musik zu einem einzigen Märchen verbinden. Nichts süßlich penetrantes, Klänge, die sich der Lyrik (von Shakespeare bis Monika Rinck) ergeben und andersrum, Musik zwischen Landscape und Großstadt – das Album „Hunter/Dancer“ ist voll davon. Es gibt viel zu viele untaugliche und auch missratene Versuche, Lyrik und Jazz zusammenzubringen, wenige gelingen (z.B. Kristiina Tuomis ebenfalls bei Traumton verlegtes „Tightrope Walker“), das Album von „So.Weiss“ gehört eindeutig und Beispiel gebend zur zweiten Kategorie. Wer Ohren hat, zu hören, der nehme sich ein Glas Rotwein, mache es sich bequem und genieße die Songs wie „When we two parted“ oder den Titelsong, bei dem Susanne Folk die ganzen Tiefen der Klarinette auslotet.”
ahi (Albert Hirsmüller/Radio Okerwelle)
Jazz– CD des Monats April 06

“„So Weiss“ – der helle Name ist einem düsteren Shakespeare-Zitat entlehnt – spielen in ungewöhnlicher Zusammensetzung: Die 28-jährige Saxophonistin Susanne Folk, gebürtige Braunschweigerin, heute Berlinerin, setzt als Gründerin und alleinige Komponistin des Dreiergespanns auf den Zusammenklang von Saxophon (im Wechsel mit Klarinette), Stimme und Kontrabass. Das minimalistische Klangbild ist Grundlage einer Musik, die streng durchkomponierte Harmonie-Passagen mit improvisierten Soli zwanglos verbindet, eine Musik, die im Charakter tief melancholisch ist, die aber niemals gekünstelt wirkt, sondern eingängige, geradezu suggestiv zarte Liedformen verwendet. Kristiina Tuomi (28) ist eine meisterhafte Vokalistin: ihre charakterstarke, warme, eher dunkel getönte Stimme kann sich in langen Kantilenen zu höchsten Höhen aufschwingen, ohne jedes Kratzen, ohne jede Anstrengung. Ihre stupende Phrasierungskunst gilt ganz der emotionalen Intensität, mit der sie die schönen Lieder vorträgt. Susanne Folk findet für die Gedichte des früh gestorbenen englischen Poeten John Keats Melodien, die seine romantische Sehnsucht nach Schönheit unmittelbar erfassen, ohne dabei in musikalische Kitschzonen abzugleiten. Die deutschsprachigen Texte der jungen Berliner Lyrikerin Monika Rinck fügen sich erstaunlich gut in dieses poetisch-musikalische Programm ein. „Kommt licht. kommt wind. Kommt glitzern“ wird musikalisch in ein nervöses Glitzern übersetzt, dem Bassmann Roland Fidezius, - in klassischer und moderner Musik ebenso zu Hause wie im Jazz -, souverän rhythmische und harmonische Strukturen einzieht. Das lyrische Glitzern des englischen Romantikers und der neuromantischen Deutschen, ergänzt um Texte von Susanne Folk und Kristiina Tuomi, erschöpft sich nicht im schönen Stimmungsschein, zu viele Widerhaken sind in Sprache und Musik eingebaut. Die Dunkelheit, die Gefahr, der „Sturz“ (Monika Rinck) sitzen unter der schönen Oberfläche, Jäger und Tänzer sind zwei Seiten einer Medaille (in Susanne Folks „Hunter/Dancer“), und in der „Subway“ (auch ein Song von Susanne Folk) spürt man den Sog der Fahrt im Untergrund. Es ist das Suchen nach einer einfachen musikalischen Sprache, die etwas treibend Geheimnisvolles in sich trägt, die Elemente von Klezmer, irischer Folklore, altenglischen Kunstliedern oder Amos Tori-Songs in sich auf nimmt, ohne je zum oberflächlichen Zitat zu verkümmern. „So Weiss“ belegt eindringlich, dass in der deutschen Jazz-Landschaft inzwischen einige Frauen dabei sind, sich in die erste Liga der weltweiten Jazz-Musik hineinzuspielen. Die schwierige Liebesbeziehung zwischen Jazz und Lyrik wird seit einigen Jahren schon vom Julia Hülsmann Trio auf höchstem Niveau gepflegt (vgl. CD-Kritik). Beide Musikerinnen haben in New York entscheidende Impulse erhalten. Die Saxophonistin Susanne Folk hat dort u. a. bei Steve Coleman und Ravi Coltrane gelernt hat. Ihre knappen, intensiven Soli und die faszinierende Stimme von Kristiina Tuomi verschmelzen zu einer musikalischen Einheit, die von sich reden machen wird. „SoWeiss“ klingen live genauso einfühlsam und spannungsgeladen wie auf ihrem Debüt-Album, vom Live-Mitschnitt aus dem Sendesaal von Radio Bremen – am 4. Mai - darf einiges erwartet werden.”
Nordseezeitung, Hans Happel

“Kammermusikalische Perlen
Auf „Hunter/Dancer“ erneuert das Trio So.Weiss die alte Liebe von Lyrik und Jazz
Brüchig und zart zeichnet das Flagolett eine dünne Linie wie aus Eis. Eine weibliche Stimme begibt sich darauf:“If I should meet Thee / After long years / How should I greet thee? / With silence and tears“. Die Stimme ist sicher, und doch gibt sie keine unumstößliche Antwort, sonder nähert sich einer Wahrheit an.
Eine fließende Saxophonfigur gibt der endlosen weite Struktur und hüllt die Stimme ein. Das Flagolett verwandelt sich in einen Walking Bass und gibt dem Raum ein Fundament, auf dem die vergangene Beziehung noch einmal nacherlebt wird. So hört man George Gordon Lord Byron selten.
Die Musiker, die den Versen musikalisches Leben einhauchen, sind Susanne Folk an Saxophon und Klarinette, die Sängerin Kristiina Tuomi und der Kontrabassist Roland Fidezius. Der Projektname „So.Weiss“ leitet sich aus dem Dialog zwischen Macbeth und seiner skrupellosen Gattin aus Shakespeares gleichnamigen Drama ab und weist schon auf das Wechselspiel von Licht und Schatten hin, das Musik und Texte auszeichnet. Neben Lord Byron und Shakespeare findet vor allem der ebenfalls englische Dichter John Keats bei der Lyrikauswahl Beachtung. Die übrigen Texte sind neuesten Datums und stammen von der Berlinerin Monika Rinck und von Susanne Folk selbst, die auch sämtliche Musik geschrieben hat. Sie ist das Bindeglied zwischen den Jahrhunderten, überführt den Inhalt in unsere Zeit. Sie begleitet die Gedichte nicht nur, sondern dringt gleichsam in sie ein und denkt sie stellenweise weiter. Der vokale Ausdruck ist dabei wunderbar klar und kommt ohne heischende Wirkungsakrobatik aus. So findet Kristiina Tuomi scheinbar mühelos die mystischen Zwischenräume, die vor allem die englischen Texte auszeichnet und macht „Hunter/Dancer“ zu einem wirklichen Erlebnis.”
Notes, 4/06

Als die deutsch-finnische Sängerin Kristiina Tuomi mit »TIGHTROPE WALKER« ihre erste CD vorlegte, ging ein wohlwollendes Raunen durch die Song-orientierte Fraktion der Jazzfreunde. Nun dürfte mit ihrem neuen Projekt So.Weiss dieses Raunen noch lauter, enthusiastischer und anhaltender ausfallen. Denn zur Seite steht ihr die Braunschweiger Saxophonistin Susanne Folk und der Wuppertaler Kontrabassist Roland Fidezius – beides erfahrene Musiker, die bereits in diversen Bands, Orchestern und Projekten spielten.
Erwarten darf man stilsicheren Vocaljazz dank der kräftigen und ausdrucksstarken Stimme Tuomis, während Fidezius seinen Bass eindringlich wummern und scheppern lässt und Folk – die für alle Kompositionen verantwortlich zeichnet – sorgsam ein paar treffende Töne dazwischen setzt. Textlich greift das Trio auf Verse von Shakespeare, John Keats und Lord Byron, aber auch der jungen Poetin Monika Rinck aus Berlin zurück. Und wie gekonnt gerade letztere vertont werden, zeigt, dass Jazz und Lyrik auch heute noch enge Verwandte sind, die gut mit einander klarkommen und sich zurecht gern zum Zusammensein einladen.” (frk)
www.nordische-musik.de, 4/2006

“Jazz und Lyrik - die Ergebnisse dieser Verbindung waren nicht immer die glücklichsten Kinder. Oft verbaute akademische Ernsthaftigkeit den Weg in die Wohnzimmer (und Herzen) von Musikliebhabern, und am Ende führte der Weg eher in die Klassenräume (und Hirne) wohlmeinender progressiver Oberstufenlehrer. Dass es auch anders geht, haben gerade in letzter Zeit die aktuellen Veröffentlichungen von Thärichens Tentett und Julia Hülsmann bewiesen. Eine weitere originelle Variante fügt jetzt das Trio So.Weiss hinzu. Eine Sängerin, ein Bassist, eine Holzbläserin - viel weiter kann man die Reduktion nicht mehr führen. Die Braunschweiger Saxofonistin Susanne Folk komponiert für So.Weiss seit 2002 Kammermusik im besten Sinne, die ohne übermäßige Ausschmückungen auskommt. Sie findet ein gutes Maß zwischen durchdachten Vorgaben, die es braucht, um auch ohne Akkordinstrument harmonische Verläufe klar zu machen, und eingestreuten improvisatorischen Freiheiten, die die Stücke zusätzlich zum Leben erwecken.
Die Auswahl der vertonten Texte reicht von Shakespeare, Keats und Lord Byron bis zu zeitgenössischen Gedichten der Berlinerin Monika Rinck und eigenen Texten. Die musikalische Umsetzung orientiert sich in ihrer Sanglichkeit häufig an Volksliedhaftem. Aus Gedichten werden Strophenlieder, die mit ihrer klaren Struktur die kompositorische Stärke von Susanne Folk unterstreichen: Mit großem Einfallsreichtum erfindet sie zur Gesangsmelodie unterstützende und umspielende Gegenstimmen, die sie von Strophe zu Strophe unterschiedlich einsetzt. Dieser Methode kommen die klassischen und romantischen englischen Gedichte sehr entgegen, während bei den freieren modernen Versen an wenigen Stellen mit (aller dings äußerst sanfter) Gewalt nachgeholfen werden muss, um sie dem Zeilen- und Strophenkorsett anzupassen. Stets verbindet sich der klare Gesang Kristiina Tuomis aufs Beste mit den Bläserstimmen und wird angenehm von Roland Fidezius’ Bass grundiert. Der Gesamteindruck ist modern und doch zeitlos, weist die Musik doch genau wie die Textstruktur in die unterschiedlichsten Richtungen von alt bis neu. “Interrogativa Cantilena” würde auch als Übertragung einer Brecht-Vertonung durchgehen. Und ein Stück wie “Subway”, das irgendwo zwischen “Fever” und Stings “Murder by Numbers” als Kammer-Jazz etwas ganz Neues schafft, muss man erst mal hinbekommen. Ach so, der ungwöhnliche Name des Trios ist übrigens einer Shakespeare-Zeile aus Macbeth entnommen, in der es heißt “But I shame to wear a heart so white”. Zum Schämen gibt das Debüt von So.Weiss jedenfalls überhaupt keinen Anlass, ganz im Gegenteil. Was allerdings der wichtigtuerisch wirkende Punkt zwischen den Worten soll - keine Ahnung.”
Jazzthetik, 4/2006, Guido Diesing

“Lyrik und Jazz, das ist eine alte Liebesbeziehung. Das Trio “So.Weiss” - Susanne Folk (Saxophon/Klarinette), Kristiina Tuomi (Gesang) unda Roland Fidezius (Doublebass) schreibt die Historie dieses Flirts fort, schaurig-schön und romantisch. Die Drei vereinen auf wunderbare Weise englische Poetry, deutsche Dichterschmiede und nordische Seele. Neben John Keats und Lord Byron wurde auch William Shakespeare zur Vertonung auserkoren. Ein Wagnis und am Ende wird daraus ein triumphaler Erfolg dank agilem Saxophon, gezupften Bässen und improvisatorischer Intermezzi sowie viel dichterischer Substanz. Mit diesem Album wird das Feuer der Leidenschaft zwischen Lyrik und Jazz neu geschürt.”
Wiesbadener Kurier 20.03.2006

” … Dem Trio So.Weiss gelingt die verzwickte Partnerschaft zwischen Verskunst und Improvisation deshalb so gut, weit sich beides nicht mehr in starren Blöcken gegenübersteht. Wenn Blaswerk und Bass plötzlich anfangen Geschichten zu erzählen und Tuomis herrlich unmanierierte Stimme zum Instrument mutiert, wenn schaurig-romantische Schimmer in gleitende Strahlen übergehen, Schneeflocken durch träge Sommerstimmungen huschen und sich Shakespeare mit neuer deutscher Dichterschmiede vereint, dann erreichen Wort und Musik eine völlig neue emotionale Ebene. Etwas, das sowohl der dichterischen Substanz als auch der Grundidee des Songs entspricht. Und Suchtgefahr besitzt.”
Jazzthing, rk, April 2006

“Warum Mies nie weißer war
Aus Jazz so etwas wie konkrete Poesie machen. Ein Trio so frei spielen lassen, dass Zuhören Schlafwandeln mit weit aufgerissenen Augen gleicht. Das sind noch Ziele! Das Berliner Trio SO.WEISS macht im Apex Jazz, der warm und leicht ist, und gleichzeitig diszipliniert und leicht unterkühlt rüberkommt und damit wie eine zeitgemäße Neuformulierung des guten, alten „less is more“ von Mies dem Großen wirkt. Anders ausgedrückt: SO.WEISS klingen ohne jeden rhetorischen Aufwand edel, und doch auf beflügelnde Weise sensibel, urban kühl und dennoch wunderbar intim. Das Saxofon am Mund von Susanne Folk bleibt gedämpft, Roland Fidezius spielt einen elastischen Bass, darüber legt sich Kristiina Tuomis leicht laszive Stimme, die über beides: Aura und Eros gebietet. Die Nummern bringen feine Tempo- und Beleuchtungswechsel, tuschen hier weiches Ocker des Saxofons hin, dort tiefes Goldbraun des Basses. Die Lyrics stammen von unbezweifelbaren Autoritäten, als da wären John Keats (der mit der „Ode an die Melancholie“), Lord Byron… – oder auch Monika Rink, die junge Berliner Dichterin. Von Tori Amos kommt „Leather“: „Oh god could it be the weather/Oh god why I am here/If love isn`t forever/And it`s not the weather/hand me my leather.“ Viele haben`s gesungen. Kristiina Tuomi macht daraus einen kitzeligen erotischen Absacker. Man ist versucht zu sagen, SO.WEISS machten Jazz nach dem Jazz, so verdammt diskret und verdammt verletzlich ist ihr Tonfall. Doch genug der Beschreibungsversuche. Hören wir noch das hauchige Saxofon in „The End of Me“ oder die Energie im Bass in „La Belle Dame sans Merci“ oder Tuomis schwerelose Stimme in „Tagenächte“. Wie meinte Mies da neulich: „Gott ist in den Details“. Wohl wahr, wohl wahr.”
Göttinger Tageblatt, 3.12.2005, Thomas Röllig

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