[JazzIndeed with Michael Schiefel]
30 August 2011
Konzerte ganzjährig auf Anfrage

Michael Schiefel (voice), Jan von Klewitz (sax), Bene Aperdannier (piano)
Paul Kleber (bass), Rainer Winch (drums)
New CD: Ostkreuz, A-JAZZ, distributed by NRW-Jazz
Soundcloud: Berlin , Nightbus , Aufm Dorf
Das Ostkreuz im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist der belebteste Bahnhof im Nahverkehrs-Netz der Deutschen Hauptstadt. Tag für Tag steigen hier rund 140.000 Menschen um in eine der neun Linien, die die Metropole durchkreuzen, umkreisen und mit dem Umland verbinden. Der Knotenpunkt, 1882 erbaut, ist denkmalgeschütztes Alltagsmuseum, sanierungsbedürftiges Provisorium und lästige Dauerbaustelle zugleich – kein Wunder, dass Jazzindeed „Ostkreuz“ zum Titel ihres Berlin-Albums gewählt haben. Nach fast zwei Jahrzehnten widmet das Quintett seiner “Heimatstadt” eine liebevolle Hommage. Denn Berlin, das ist für die fünf Musiker nicht nur Wohnort und die Stadt, in der sie 1992 als Band zusammenfanden. Berlin, das bedeutet auch Freiräume und Mythen, fremde Großstadt-Reviere und fast dörfliche Kiez-Nachbarschaften.
„Ostkreuz“ ist aber auch das lange erwartete vierte Album von JazzIndeed. Und so setzt „Berlin“ den Anfang eines enorm vielseitigen Programms - jene wehmütige Hymne, die Fischer-Z 1981 (auf »Red Skies Over Paradise«) der ummauerten Insel widmete. Genauer: jenem urbanen Dschungel, der in dieser ökologischen Nische der Weltgeschichte wurzelte und blühte. Drei Jahrzehnte später hat „Berlin“ nichts von seiner Faszination verloren, auch wenn die Großstadt-Klischees jetzt den direkten Vergleich mit anderen Lebensformen aushalten müssen, wie Michael Schiefels „Auf´m Dorf“ mit Altsax- und Synthie-Hochdruck unterstreicht. Der knackige Hit (übrigens auch eine Coverversion - von Schiefels Soloalbum »Don´t Touch My Animals«) stellt klar: wenn JazzIndeed von Berlin singen, ist das kein Soundtrack für Bedeutungshuberei im Guido-Knopp-Format, sondern dann sind das persönliche Liebeserklärungen an das Leben in und mit einer Stadt, von der sich schon die ganze Welt ein – wenn auch oft falsches – Bild gemacht hat.
So blieb selbst vielen Berlinern lange das weit im Osten gelegene „Ostkreuz“ ein Symbol für den unbekannten Teil ihrer Stadt. “Als ich nach Berlin gezogen bin, war das echt noch nicht auf dem Radarschirm” berichtet Michael Schiefel, Sänger und damit eine Art Frontmann der Band. “Ich war in Westberlin, und der Prenzlauer Berg, das war dann schon der totale wilde Osten”. Jetzt zeichnet der Titeltrack, den Bassist Paul Kleber mitbrachte, mit ostinaten Patterns ein Stimmungsbild vom quirligen Bahnhof, auf dem man nicht nur zu Zeiten des “witterungsbedingt eingeschränkten Betriebs” auch einfach “hängen bleiben” kann.
Und während das treffend beoachtende „Nightbus“ - von sanften E-Piano-Harmonien umspült - die Angst vor dem Betriebsschluss der Bahnen vertreibt, zollen JazzIndeed mit ihrer respektvollen Adaption des Element of Crime-Songs „Die letzte U-Bahn geht später“ den endlosen Kreuzberger Nächten ihren Tribut. “Normalerweise machen wir Coverversionen, wenn wir denken, da können wir noch mal einen anderen Blickwinkel finden. Hier ist das Original einfach sehr gelungen, da sind wir sehr demütig. Aber es macht irre Spaß, es zu singen” lacht Schiefel.
Viel Spaß macht auch das Wiederhören mit David Bowies „Heroes“: drei Jahrzehnte nach “Christiane F. ” und zweiundzwanzig Jahre nach dem Mauerfall trifft die Ballade immer wieder neu das Lebensgefühl der Stadt. “Dieser Text funktioniert auf einer emotionalen Ebene, so dass sich Viele damit identifizieren können. Aber wenn man viele Leute interviewen würde ‘Was bedeutet dieser Text?’ kämen da wohl sehr unterschiedliche Ergebnisse heraus. Das finde ich ganz schön” sagt Michael Schiefel über den Song, den David Bowie in Berlin geschrieben – und ihn hier auch in einer deutschen Version gesungen hatte.
Quasi über Bande spielt der Titel „Vilshofen“ das Thema ‘Berlin’ an: gerade weil in Deutschlands größter Stadt auch ein Großteil der Jazzmusiker des Landes leben, sind sie darauf angewiesen, in der ganzen Republik ihre Bühnen zu finden. So wird Jan von Klewitz´ funky groovendes Instrumental zum dankbaren Gruß an einen süddeutschen Auftrittsort – und berichtet umso eindringlicher von der Rückkehr in die multikulturelle Metropole.
Es ist kein Zufall, dass JazzIndeed auf „Ostkreuz“ neben drei handverlesenen Cover-Versionen auch Beiträge aller Bandmitglieder versammeln. Denn es ist die eigentlich eher unwahrscheinliche Kombination der fünf Musikerpersönlichkeiten, die den charakteristischen Bandsound prägt. Michael Schiefel findet dafür ein griffiges Bild. “Wenn man sich diese fünf Musiker anguckt und jeden einzeln betrachtet, wird man jeden an unterschiedlichen Polen innerhalb der Jazzwelt ansiedeln. Im Zusammenspiel setzt sich dann immer mal jemand anders durch. Je nachdem, welches Stück gerade gespielt wird. Dadurch klingt die Band oft extrem unterschiedlich, weil wir uns dann eben auf die Reise zu einem dieser fünf Pole hin begeben.”
Trotz aller Unterschiede: als Collage lässt sich die Musik von JazzIndeed genauso wenig beschreiben wie als Stil-Mix (was ja meist nur ein Euphemismus für den ‘kleinsten gemeinsamen Nenner’ ist). Jazzindeed haben einen gemeinsamen Bandsound entwickelt, ohne sich darin aufzulösen. Schiefel beschreibt das Quintett als “kommunale Band”. “Wir sind alle ungefähr gleich ‘treibende Kraft’.” Wenn ein Bandmitglied beispielsweise ein Stück mit zur Probe bringe, werde das so lange von allen bearbeitet, bis eine gemeinsame, neue Version entstehe. “Damit sind wir auch souveräner geworden. Anfangs hat uns das auch zu schaffen gemacht, weil da viel Unerwartetes passiert.”
Mit „Ostkreuz“, ihrem vierten Album, zeigen JazzIndeed, wie guter, zeitgemäßer Jazz entsteht: Wenn hervorragende Musiker zusammenkommen, ohne ihre Individualität an der Garderobe abzugeben. Wenn zeitlose Klassiker und unerhörte Klänge die Ohren des Publikums fesseln, ohne deren Hirne zu unterschätzen. Wenn nicht nach Konventionen gefragt wird, nicht mal, um sie zu brechen.
Dabei sind JazzIndeed auch noch eine der kontinuierlichsten Bands der jüngeren Jazzgeschichte. Schon anlässlich ihres Debüts vor fast zwei Jahrzehnten freute sich das Berliner Stadtmagazin zitty: “Sie sind zum Glück mehr als nur sicher im Stil. Das Berliner Quintett beherrscht die Grundlagen des Jazz so umfassend, daß für die Musiker Songs erst in dem Moment interessant zu werden scheinen, in dem sie über das Gewöhnliche und Gewohnte hinausgehen.”
Presse „Ostkreuz“:
„JazzIndeed prägen den „Berliner Sound“, kompakt gespielt, trocken im Sound und schnippisch in der Haltung.“ (Audio, September 2011)
Jazzplatte des Monats August.
In den zurückliegenden Monaten gehörte die kulturelle Deutungshoheit vorwiegend Peter Fox. In den Dekaden davor arbeiteten sich Wahlberliner wie David Bowie oder John Watts an der mondänen Hemdsärmeligkeit, am dreckigen Charme Spreeathens ab und schufen mit kleinen Gesten große Hymnen. „Heroes“ und „Berlin“ fürs eiegne Berliner Songbook zu covern, schien also naheliegend für Jazzindeed. Sie tun dies mit dem gleichen urbanen Idiom, das auch ihre Eigenkompositionen auszeichnet: Die Songstrukturen kippen ständig von Exzessen zu leisen Momenten lyrischer Schlchtheit. Michael Schiefel haucht sich mit androgynem Timbre durch die Covernummern und seine eigenen Texte - wem „Schwarz zu Blau” zu prollig daherkommt, der findet bei „Nightbus“ die richtigen Worte für die Vibes der Hauptstadtnacht. Ob Berlin letztlich selbst kollektiv so fühlt und tickt, sei dahingestellt: „Ostkreuz“ bietet zumindest die stimmige Illusion - und ist ein so konzentriert wie gelassen gespieltes Album mit großen Instrumentalmomenten.
(ron) kulturnews, August 2011
„Er schmalzt und schmachtet, er reimt, rappt und jodelt. Stimmkünstler Schiefel ist die Seele des Quintetts, das in Kabaretts auftreten kann wie in Jazzclubs: Auf swingender Musik tanzen ironische und sentimentale Texte. Im Album „Ostkreuz“ geht es um Berlin, in der sich die fünf Musiker vor 18 Jahren zusammenfanden. Ein Glücksfall.“
Kulturspiegel, Hans Hielscher, August 2011
„Soundtrack einer Metropole. Ein Trip durch den urbanen Dschungel Berlins. CD der Woche“
(WDR, August 2011)
„Wirklich unter die Haut gehende Widerspiegelungen von Metropolen und deren Lebensgefühl
gelingen meist nur Künstlern, die nah am Puls der Zeit leben. Der Sänger Michael Schiefel und
seine Berliner Band JazzIndeed gehören zu dieser seltenen Spezies.
Keine andere deutsche Band hat solche Situationen so treffsicher eingefangen - kaum ein anderer
versteht sie so kongenial und poetisch in die Sprache des Jazz zu übertragen wie Michael Schiefel.“
(NDR.de, August 2011)
„Hat ein wenig gedauert, bis JazzIndeed w/Michael Schiefel sich ihrer deutschen Hauptsatdt
widmen, aber „Ostkreuz“ war das Warten wert. Schon der Opener ist klasse! Fischer Zs „Berlin“.
„Auf´m Dorf“ spielt nicht nur herrlich mit den Klischees dieser unterschiedlichen Lebensräume; es
zeigt vor allem auch den Arrangier-Witz und besonderen Humor dieses Quintetts. So spannend geht
diese Platte weiter. JazzIndeed und Michael Schiefel verblüffen immer wieder mit ihren
unkonventionellen Einfällen.“ (4,5 Sterne von 5) (Jazzthetik, September 2011)
„Das Sprungtuch namens JazzIndeed federt und fängt mühelos kleine Unebenheiten und
Stolpereien durch kollektives aneinadner schmieden ab und auf. Michael Schiefels langjährige
Erfahrungen als Solist und Gemeinschaftsarbeiter sind auch ein Garant für barrierefreie
musikalische Entfaltung.“ (Jazzpodium, September 2011)
„Die Scheibe macht Lust auf die Auftritte dieser Band! Denn eins ist sicher, jedes Konzert ist
definitiv anders, immer wieder überraschend und mitreißend. „Ostkreuz“ bringt die Spielfreude
und die Ausgelassenheit des letzten Konzertbesuchs in Erinnerung. Die CD macht Lust auf mehr,
macht Spaß, zeigt eine gleichberechtigte Band, zeigt Musiker, die sich den Raum nehmen, den sie
brauchen und wunderbar ausfüllen können ohne die Mitspieler aus den Augen zu verlieren“
(NDR Info, August 2011)
„Und auch wenn man von Jazz und vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat, kann man doch sagen,
dass „Ostkreuz“ ein tolles Album ist.“ (Siegessäule, August 2011)
„Frisch, fröhlich, frei und ungezwungen. Mit „Ostkreuz“ wird Individualität lebendig. So gut kann
zeitgemäßer Jazz klingen. Eine Bereicherung höchster Güteklasse. Empfehlenswert!!!!“
(monsterandcritics, August 2011)
„Ein wundersames Konglomerat aus freigeistiger Jazzdenke, perfekter Instrumentenbeherrschung
und schier unerschöpflicher Kreativität. Sollte man sich nicht durch die Finger gehen lassen.“
(sound & image, August 2011)
„Man findet alles von laut bis leise, von wild bis zu sehr schlicht. Eine liebevolle Hommage. Eine
perfekte Liebeserklärung an die Hauptstadt.“ (unikosmos.de, August 2011)
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