Young Friends - THE GREAT GERMAN SONGBOOK

on tour: Oktober/November 2005

KRUSE / LAUER / SCHAEFER / SCHLOSSER / TRÜBSBACH / WOLLNY

Homepage: www.actmusic.com

Foto: Ssirus W. Pakzad


 

„The Great German Songbook“? Da wundert sich manch einer und muss erst einmal angestrengt nachdenken. Gibt es so etwas überhaupt? Und ob. Wir hier in Deutschland verdrängen unser eigenes Liedgut gern. In den Schulen wird es kaum mehr gesungen und nur die Älteren scheinen noch sich noch an Melodien und Texte zu erinnern, die eigentlich jedermann geläufig sein sollten. Man kann lange darüber spekulieren und diskutieren, warum das so ist. Warum tun wir uns hierzulande so schwer, musikalisch eine eigene Identität anzustreben?

In der Popmusik scheint in der jüngsten Vergangenheit eine Trendwende in Sicht. Haben viele deutsche Künstler früher die Muttersprache wohl auch deshalb gescheut, um nicht in die Nähe des Schlagers gerückt zu werden, ist die teutonische Zunge heute wieder in aller Munde. Manch einer behauptet sogar, dass die Krise der hiesigen Musik-Industrie noch viel dramatischer ausgefallen wäre, hätte es die deutschsprachige Popmusik nicht gegeben.

Und der deutsche Jazz? Klingt in ihm gewöhnlich irgend etwas durch, was sich unzweifelhaft mit dem eigenen Land in Verbindung bringen lässt? In vielen Staaten Europas nimmt der Jazz deutlich Bezug auf ureigene Traditionen und Mentalitäten, besinnt sich auf die regionale Folklore und hat sich somit vom uramerikanischen Vorbild emanzipieren können. In Italien ist das so, in Spanien, in Skandinavien ebenso. Und in Frankreich bemüht man sich nicht nur um heimisches Liedgut, sondern hat sich sogar einer imaginären Folklore bemächtigt, um den Jazz zu veredeln, ihn in eine neue Richtung zu führen. Wie sieht es in Deutschland aus?

Erstklassige Musiker sind hier zu finden, Virtuosen, die in fast jedem musikalischen Umfeld bestehen können. Fast. Denn diese Musiker müssen sich die Frage gefallen lassen, was eigentlich deutsch ist an dem, was sie da spielen. Es gibt wenige nennenswerte Versuche, sich mit der einheimischen Musikgeschichte (die Klassik mal ausgeklammert) auseinander zu setzen – Klaus Doldinger und Albert Mangelsdorff waren einst Vorreiter in diesem Feld und der Bassist Dieter Ilg hat sich in den 90er Jahren eine Zeit lang mal erfolgreich mit Volksliedern befasst, die zum Teil aus Deutschland stammten. Jüngst verpassten jazzIndeed mit Michael Schiefel in der Reihe „Young German Jazz“ den Hits der Neuen Deutschen Welle ein Jazz-Design. Aber sonst?

Nun aber kommen die „Young Friends“. Ganz unbefangen, ja unbelastet haben sechs der herausragenden jungen Jazzmusiker unseres Landes sich des hiesigen Liedschatzes angenommen und schlagen dabei einen kühnen Bogen, der vom Mittelalter über die goldenen Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts und die Swinging Sixties bis hin in die unmittelbare Gegenwart reicht.

Die „Young Friends“ heißen so, weil vor ihnen die „Old Friends“ da waren. Es gibt Verbindungspunkte. Bei den Old Friends saß der international gefeierte Nürnberger Wolfgang Haffner am Schlagzeug. Bei den Young Friends hockte er nun im Regie-Raum des Studios und betreute das halbe Dutzend als umsichtiger Produzent mit klarem Profil. Der zweite Berührungspunkt zwischen den beiden Freundeskreisen ist eine Volksweise aus dem 13. Jahrhundert, die der Posaunist Albert Mangelsdorff vor über vierzig Jahren schon einmal auf seinem großartigen Album „Now Jazz Ramwong“ verewigte und 2000 mit seinen alten Freunden Manfred Schoof, Klaus Doldinger, Wolfgang Dauner, Eberhard Weber und Wolfgang Haffner noch einmal neu interpretierte: „Es sungen drei Engel“. Den Gesang der Himmelsboten haben nun auch der Saxofonist Florian Trübsbach, der Trompeter Axel Schlosser, der Posaunist Johannes Lauer, der Pianist Michael Wollny, die Bassistin Eva Kruse und der Schlagzeuger Eric Schaefer, kurz: die „Young Friends“ in ihr Repertoire aufgenommen. Und dann ist da noch diese Parallele: Vor einem halben Jahrhundert hat Klaus Doldinger mit seiner Dixieland-Gruppe The Feetwarmers die Schlager „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehen“ (das einst im Verdacht stand, eine Durchhalteparole der Nazis zu transportieren) in einen jazzigen Kontext gestellt. Im 5. Jahr des neues Jahrtausends tun es ihm die Young Friends gleich.

Die sechs Musiker haben nicht nur gemeinsam, dass sie alle unter dreißig sind. Sie alle wurden gründlichst ausgebildet und zeigen sich auf ihrem bisherigen Werdegang musikalisch unerschrocken. Fünf von ihnen haben in Peter Herbolzheimers BundesJazzOrchester wichtiges Handwerkszeug gelernt, die zwei Herren und die Dame der Rhythmusgruppe spielen seit zwei Jahren erfolgreich als Trio (em) zusammen und alle sechs Freunde haben mannigfaltige Erfahrungen gesammelt, die ihnen beim Stöbern im „Great German Songbook“ zu gute kommen.

Der Kölner Pianist und Komponist Florian Ross hat deutsches Liedgut für das Ensemble aufbereitet. In seine Arrangements zauberte er wohlig-warme Farben, ließ die Stimmen sich elegant umschlingen und fächerte manche der bekannten Melodien kunstvoll auf.

Mit gesundem Touch von Pathos, einer Spur Sentimentalität, gelegentlichem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Chuzpe machen sich die Young Friends über Evergreens wie „Dein ist mein ganzes Herz“, „Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Du liegst mir am Herzen“, Bert Kaempferts „Strangers in The Night“, „Mensch“ von Herbert Grönemeyer und „Sie sieht mich nicht“ von Xavier Naidoo her und geben diesen alten und neuen Klassikern ein ungewohntes, ein frisches Profil. Und sie zeigen dabei, dass die Scham vor deutschen Liedern eine falsche Scham ist.

 

Bios:
Florian Trübsbach – Alt-, Sopransaxofon

geboren 1976, lernte mit drei Jahren zunächst Geige, sang später im Tölzer Knabenchor, wo er als Solist unter Dirigenten wie Karajan, Abbado und Maazel sang. Nach dem Stimmbruch begann er Saxofon zu spielen. Studierte Jazz, aber auch fünf Semester klassische Komposition. Erhielt unter anderem Kompositionsunterricht bei Hans Werner Henze. Das ehemalige Mitglied des Landesjugend- und BundesJazzOrchesters wurde im Jahr 2000 mit dem „Bayerischen Staatsförderpreis für junge Künstler“ ausgezeichnet. Unter eigenem Namen erschien das Album „Mason & Dixon“.

Axel Schlosser – Trompete, Flügelhorn
geboren 1976. War mit 17 bereits Mitglied im BundesJazzOrchester und studierte ab 1997 in Heidelberg an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. In den Jahren 2000 + 2001 war er Leadtrompeter des Deutsch/ Französischen Jazz Ensembles unter Albert Mangelsdorff. Der preisgekrönte Schlosser, derzeit Solo-Trompeter der HR Big Band, kann auf eine stattliche Diskographie verweisen, in der Aufnahmen mit Rainer Tempel, Max Greger Jr., den Sultans of Swing, dem Sunday Night Orchestra und den No Angels zu finden sind. 2005 erscheint sein Quartett-Album „Touching The Moon“

Johannes Lauer – Posaune
geboren 1982, studierte Jazzposaune an der UdK, Berlin und genießt derzeit die Vorzüge eines Erasmus-Stipendiums in Genf. Der mehrfach bei „Jugend Musiziert“ mit Bundespreisen Ausgezeichnete war vier Jahre im BundesJazzOrchester aktiv, stand mit dem Sunday Night Orchestra, dem Summit Jazz Orchestra, der RIAS Big Band, Jasper van´t Hof, Eric Vloeimans oder Tony Lakatos auf der Bühne. 2003 gründete er sein eigenes Quintett, für das er 2004 eine Einladung zu einem Festival nach Südkorea erhielt. Im selben Jahr lud ihn die Unesco zum „Internationalen Tag der Musik“ in Paris ein.

Michael Wollny – Piano
geboren 1978. War mit 15 bereits Hospitant am Würzburger Konservatorium. Nach der Zivildienstzeit nahm er dort ein Vollstudium auf. Eine seiner Diplomarbeiten analysierte das Werk des Pianisten Joachim Kühn. Wollny war Mitglied des BundesJazzOrchesters unter Peter Herbolzheimer. Im Jazzensemble des Hessischen Rundfunks lernte er den Saxofonisten Heinz Sauer kennen und verstärkte später dessen Gruppe. Mit ihm spielte er 2005 das viel gepriesene Duo-Album „Melancholia“ für ACT ein, dem eine Tournee folgte. Mit dem Trio (em) und dem Album „Call It“ (ACT) sorgte Wollny für Furore und wurde häufig als vielversprechendstes Piano-Talent der letzten Jahre gepriesen.

Eva Kruse – Bass
geboren 1978. Erhielt elf Jahre klassischen Klavierunterricht und nahm 1998 ein Jazz-Kontrabass-Studium an der UdK in Berlin auf. Sie war drei Jahre Mitglied im BundesJazzOrchester unter Peter Herbolzheimer, tourte mit dem April Light Orchestra und dem Weilheimer Tied & Tickled Trio. Derzeit ist sie mit dem Arne Jansen Trio, dem Quartett „Firomanum“ und dem Trio Wollny/ Kruse/ Schaefer (em) zu hören, wo sie nicht nur für tiefe Töne, sondern auch für inspirierte Kompositionen sorgt.

Eric Schaefer – Schlagzeug, Percussion
geboren 1976, studierte Neue Musik bei Christoph Caskl und improvisierte Musik bei David Friedman und Jerry Granelli. Außerdem erhielt er Kompositionsunterricht bei James Knapp und Maria Schneider. Schaefer hat bereits mit Carlos Bica, Gebhard Ullmann, Axel Doerner, Peter Weniger und dem Dichter Wolf Wondratschek gearbeitet. Am meisten Aufmerksamkeit aber hat ihm seine imposante Rhythmusauffassung eingebracht, die er bei Wollny/ Kruse/ Schaefer (em) und im Trio des Pianisten Carsten Daerr auslebt.



Download Info & Pressefotos:

Pressefoto
JPG 1 MB

Info.pdf

 

back to artist list