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Daniel Erdmann’s Velvet Revolution

Konzerte im März, Mai, Oktober 2017 & April 2018. Ganzjährig auf Anfrage

Daniel Erdmann_tenor sax
Theo Ceccaldi_viola & Violin
Jim Hart_vibraphon

www.daniel-erdmann.com

NEW CD: A Short Moment of Zero G at BMC Records, 10/2016

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ENGLISH INFO

Daniel Erdmann’s Velvet Revolution (Liner Notes von Bert Noglik)

Ja, kam es mir beim Hören dieser Musik in den Sinn: Das ist ein starkes Statement – kräftig und zugleich sensibel, mit Sinn für feine Nuancierungen und zugleich auch mit Schwung, gelegentlich gar mit Wucht. Während sich vielerorts wabernde Innerlichkeit und kunstgewerbliche Beflissenheit breitmacht, kommt hier wieder etwas zum Vorschein, was die Triebkraft des Jazz ausmacht: Der Drang zur Mitteilung.

Daniel Erdmann, umtriebig als Mitglied und Co-Leader zahlreicher Bands, hat den Klang dieses Trios im Ohr gehabt bzw. die  Musiker dazu gesucht und schließlich gefunden, um den inneren Sound Realität werden zu lassen. Rund zehn Jahre nach Erdmann 3000 ist dies wieder eine Band, die gänzlich von ihm, dem Tenorsaxophonisten und Komponisten, geprägt wird. Zugleich gibt es im Zusammenspiel für die Beteiligten große Spielräume. Musik dieser Art hat mit Freiheit zu tun, mit der Freiheit der Improvisation in Relation zur Komposition, mit der Freiheit des Fühlens, des Denkens, des Wollens.

Velvet Revolution wirkt wie ein perfekter Name für dieses Vorhaben – eine Fügung, die das Sanfte mit dem Erneuernden und dem radikal Umwälzenden verbindet. Velvet Revolution wird hier zur Metapher.
Auch wenn sich der Begriff für mit dem Aufbrechen eines bürokratisch verkrusteten Staatskommunismus durch eine gewaltfreie demokratische Bewegung in der Tschechoslowakei assoziiert, steht er im Zusammenhang mit dieser Musik für eine über die historische Verankerung hinausreichende Intention: Für das Streben nach Veränderung und die Überzeugung von der Sinnhaftigkeit ebenso sanfter wie hartnäckiger Einflussnahme. Mit anderen Worten: Diese Musik will etwas, und das spürt man.

Was zunächst aufhorchen lässt und einen hineinzieht, ist der Gestus, die Sprachnähe, das Erzählende, das Rhapsodische. Daniel Erdmanns Stücke sind kompakt, manchmal auch komplex, und in ihren Formen für die Beteiligten frei begehbar. Das Thematische – im musikalischen wie im gedanklichen Sinne – bildet die Bezugsrahmen. Daniel Erdmanns bekennt sich zum Melodischen. Und das ist oft viel schwieriger, als sich hinter einer Materialexegese zu verstecken, weil die Einfälle und die Aussagen stark sein müssen. Er webt sie ein in das Stimmengeflecht mit Violine bzw. Bratsche und Vibraphon – eine Triokonstellation, die es ermöglicht, rhythmische oder harmonische Aspekte wechselweise untereinander aufzuteilen, miteinander zu verschränken oder zu verdichten.

Théo Ceccaldi, Mitbegründer des Trio Collectif in Orleans, ist Daniel Erdmann zuerst durch das Trio mit seinem Bruder, dem Cellisten Valentin Ceccaldi und dem Gitarristen Guillaume Aknine aufgefallen. Er bringt etwas von der grandiosen französischen String-Tradition, zugleich den Jazzbezug und etwas sehr zeitgenössisches ein, kann in Melodien schwelgen, aber auch abstrakt und perkussiv agieren. Jim Hart kennt Daniel Erdmann von Besuchen in London, wo der Vibraphonist, der heute in Colmar lebt, zu den Mitbegründern des Loop Collective zählte. Das Vibraphon mit seinen leuchtenden Klängen verstärkt die kammermusikalische Magie des Trios. Jim Hart, der sich auch als Schlagzeuger profiliert hat, bringt genau die rhythmische Kompetenz ein, die es hier ermöglicht, genial auf ein Schlagzeug zu verzichten. Das Trio ist bezeichnender Weise eine internationale Band  – wie so viele Ensembles, mit denen Daniel Erdmann aktiv ist. Dahinter steht keine proklamatorische Absicht, sondern die Alltagsrealität und die Gesinnung dieser Art von europäischem Jazz, der Entfernungen und Grenzen zunehmend irrelevant erscheinen lässt.

Daniel Erdmann’s Velvet Revolution ist frei von der Absicht, illustrieren zu wollen und enthält doch eine Vielzahl von Anspielungen. Die Musik schöpft aus der Auseinandersetzung mit der Realität und sprudelt aus der Phantasie. Es gibt Poetisches und Anekdotisches, Bildhaftes und Abstraktes.

Natürlich spielt im Unterbewussten auch das hinein, was diese Musiker gehört bzw. womit sie sich beschäftigt haben, also der ganze Kosmos, in dem Jazz, Blues, Swing, Rhythm and Blues, Avantgarde, Rock, Punk, Valse Musette, Volksliedhaftes, der Gestus Hanns Eislers (nicht zuletzt vermittelt durch die intensive Beschäftigung mit diesem in der Band Das Kapital), freie Improvisation, Neue Musik usw. vorkommen. Doch vieles davon ist allenfalls noch als Spurenelement auszumachen. Und um noch einmal auf den Gestus zu sprechen zu kommen: Mitunter bricht etwas Romantisches auf – nicht im Sinne eines Zurückwünschens, sondern auf der Basis von Zukunftssehnsucht. Auch insofern ergibt sich ein Bezug zur Expressivität im Strom des Jazz – sei es zur Expressivität der großen afroamerikanischen Tenorsaxophonisten oder auch zu einem Musiker wie Heinz Sauer, mit dem Daniel Erdmann das Glück hat, gelegentlich zusammen zu spielen. Das Trio generiert seinen eigenen Sound. Dabei erweist sich Daniel Erdmann durchaus im anspruchsvollen Sinne traditionsbewusst, will er mit eigener Stimme etwas fortsetzen, ist er stolz Teil dieses Stromes zu sein.
Daniel Erdmann wurde 1973 in Wolfsburg geboren. Mit 10 Jahren besuchte er einen seiner Onkel, welcher sich ein Altsaxophon gekauft hatte und keinen vernünftigen Ton aus dem Instrument bekam. Daniel Erdmann nahm das Saxophon, spielte einen Ton der alle Anwesenden verblüffte, und am Ende des Besuchs gehörte das Instrument schon ihm. In der Zeit von 12 und 15 Jahren lebte er in der Nähe von Washington, D.C. und wechselte dort zum Tenorsaxophon, welches er in der Bigband seiner Schule spielte. Zurück in Deutschland lernte er 5 Jahre bei dem amerikanischen Saxophonisten George Bishop und studierte dann von 1994 bis1999 an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin bei Gebhard Ullmann. Desweiteren nahm er an Masterclasses von Michael Brecker, Steve Lacy, Ray Anderson, Lee Konitz und anderen Teil. In dieser Zeit begann er sehr aktiv in der Berliner Jazzszene mitzuwirken (unter anderem mit Rudi Mahall, Ed Schuller, Frank Möbus, John Schröder, Aki Takase, Herb Robertson) und nahm auch währen einer Nordamerika-Tournee in New York seine erste CD für das label Timescraper auf. Es folgten viele Aufnahmen und Konzerte in Deutschland, und mit seinem Quartett Erdmann 3000 nahm er 4 CDs (davon 2 für Enja Records) auf und spielte um die 100 Konzerte in ganz Europa .
Im Jahr 2001 erhielt er ein Stipendium des deutsch-französischen Kulturrates für einen Aufenthalt in Paris. Auf der Suche nach Musikern mit denen er eine ähnliche musikalische Sprache spricht stösst er in einem kleinen Club auf den Schlagzeuger Edward Perraud mit dem er gemeinsam mit Hasse Poulsen die Gruppe Das Kapital gründet.
Zusammen nahmen Sie inzwischen 7 Cds und eine DVD auf (mit dem Filmemacher Nicolas Humbert) und spielten unzählige Konzerte in Europe, Amerika und Asien. Für die erste CD eines Repertoires mit Stücken von Hanns Eisler erhielten sie den „Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2011“, und 2015 erschien die CD „Kind of Red“ bei legendären Label Bleu.
2005 und 2007 arbeitete Daniel Erdmann mit dem New Yorker Choreograph Joshua Bisset für das Tanz-Festival in Biarritz und das Tacheles in Berlin. 2010 spielter er mit Joachim Kühn im Quartett mit Johannes Fink und Christophe Marguet und unternahm er eine Reise nach Mali um dort mit dem Kora-Spieler Cherif Soumano zu arbeiten. Im gleichen Jahr gründete er mit Samuel Rohrer ein gemeinsames Projekt mit Vincent Courtois und Frank Möbus. Das dritte Album „Ten songs about real utopia“ der Band erschien 2015 begleitet einem Bild von François Schuiten. Für dieses Album erhielt er eine Nominierung für den Echo Jazz als bester Saxophonist national.  2013 realisierte Daniel Erdmann mit Hilfe des Jazzdor Festivals ein Quartett mit dem legendären Heinz Sauer, eine live-CD erschien 2015.
Desweiteren wirkt er diversen Projekten von Vincent Courtois und im neuen Sextett von Claude Tchamitchian mit. Mit Christophe Marguet nahm erein neues Album mit Henri Texier auf. 2014 gründete Daniel Erdmann seine Compagnie “ DAS ATELIER“.

Theo Ceccaldi wurde 1986 in Orleans geboren und ist der aufstrebende junge Jazzmusiker Frankreichs. 2014 wurde er von Jazz Magazin in Paris als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert. Er ist Mitglied im Orchestre National de Jazz, spielt mit seinem eigenen Trio, dem IXI Streichquartett, in Hans Lüdemanns Band TEE, dem Joelle Leandre Tentett und anderen. Er ist Mitbegründer des Tricollectifs, wo er mit seinem Bruder Valentin, dem Pianisten Roberto Negro und anderen sehr aktiv ist.

Jim Hart wurde 1983 in Plymouth geboren und ist einer der gefragtesten Musiker seiner Generation. Lange Zeit in London ansässig, ist er Mitbegründer des Loop Collective. Er nahm diverse CDs it seinem Cloudmakers Trio und dem Jim Hart Quartet auf. Desweiteren spielte er (auch als Schlagzeuger) mit Kenny Wheeler, Cleo Laine und vielen anderen. Derzeit ist er Mitglied in den Bands von Julien Loureau und Marius Neset. Er gewann mehrere Britsh Jazz Awards und war mehrfach im Downbeat Readers Poll zu finden.

Presse:

pdsk

Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik
Bei aller Lust am gemeinsamen Schweben wird das Spiel dieses Trios von prägnanten melodischen Statements durchzogen und das im Laboratorium der Klänge frei gesetzte Material mit gestaltbildender Kraft ausgeformt. Der neuen Band des Tenorsaxophonisten Daniel Erdmann mit dem französischen Bratscher bzw. Violinisten Théo Ceccaldi sowie dem Engländer Jim Hart am Vibraphon gelingt eine vom Geist der Improvisation durchpulste interaktive Kammermusik, die in ihrem filigranen Charakter zugleich die Stärke emotionaler Mitteilung offenbart. Der Gestus ist erzählend und dringlich, nie illustrierend oder agitatorisch. Diese Musik will Bezug nehmen zu dem, was ringsum in der Welt geschieht. Und sie begibt sich dabei selbst auf den Weg einer sanften, aber konsequent vorangetriebenen Veränderung. Note 1. (Für die Jury: Bert Noglik)

, Stefan Hentz

„Ohne sich in den Vordergrund zu drängen, nur durch die Kraft seiner Musik hat sich Daniel Erdmann während des vergangenen Jahrzehnts als maßgeblicher Tenorsaxofonist der europäischen Jazzwelt etabliert. Velvet Revolution nähert sich auf „A Short Moment Of Zero G“ mit viel Emphase den Möglichkeiten melodischer Kommunikation in ungewöhnlicher Kleinbesetzung. Das ist feine Erzählkunst mit viel Assoziationsfreiheit für die Hörer.“  Ralf Dombrowski, Stereoplay

„Wenn es eine Liste der Stars des aktuellen deustchen Jazz gäbe, dann stünde der Name Daniel Erdmann auf einem der vorderen Plätze. Einer der mit seinen Trios und Quartetten höchstes Niveau garantiert. Mit Velvet Revolution, seiner neuesten Band, erntet er die Früchte seiner Offenheit.“ Stefan Hentze, Die Zeit

„Es ist stimmungsvoll und auf eine ungemein behutsame Art intensiv, wie die drei Atmosphären und Themen entwickeln, und dabei, sich in fließendem Wechsel umspielend, Vorder- und Hintergründe der Musik ausleuchten. Wie das Trio das Konkrete, die harmonischen Formen und die Rhythmen von Daniel Erdmanns Kompositionen mit dem wirbelnden und losgelösten Ausdruck aus dem Moment heraus kombiniert, klingt nach großer innerer Freiheit und ist Ton für Ton spannend.“
Beate Sampson, Br Klassik

„Die Musik des Trios ist fantasieanregend, inspirierend, die perfekte Begleitmusik für eine Reise zu neuen Horizonten, in unbekannte Gefilde, in innere und äußereWelten“ Rainer Bratfisch, Jazzpodium

„Gemeinsam mit Geiger Theo ceccaldi und Vibraphonist Jim Hart geht ihm ein sanfter Suspense von der Hand, der an die Soundtracks von Fellini-Filmen errinnert.“
Wolf Kampmann, Jazzthing

Trio Photo, nicolas dhondt

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Daniel Erdmann, photo Dirk Bleiker

Daniel Erdmann tenor sax / Samuel Rohrer drums

 

Daniel Erdmann, active as a member and coleader of many bands, had the sound of this trio in his ear, and looked for and finally found the musicians who would allow the inner sound to become a reality. Here is a band that totally bears his stamp, that of the tenor saxophonist andcomposer. At the same time, in the ensemble playing there is lots of leeway for the participants. Music of this kind is about freedom, about the freedom to improvise in relation to the composition, freedom of feeling, thinking, and desire.

What initially makes you sit up and take notice and draws you in, is the gesture, the closeness to speech, the narrative and rhapsodical manner. Daniel Erdmann’s pieces are compact, sometimes even complex, and within their forms the participants can roam freely. The themes – in both the musical and the intellectual sense – form the frame of reference. Daniel Erdmann is a self-confessed melodist. And this is often much harder than hiding yourself behind a material exegesis, because the ideas and the statements have to be strong. In this skein of voices with violin, viola and vibraphone, he weaves together a trio that makes it possible to for the parts to share rhythmic or harmonic aspects, to cross over or develop one another.

French violinist Théo Ceccaldi contributes something from the grand French string tradition, as well as jazz references and something very contemporary: he can wallow in melody, but also provide abstract, percussive action. Daniel Erdmann knows Jim Hart from a visit to London, where the vibraphonist, who now lives in Colmar, was one of the cofounders of Loop Collective. With its luminous sound, the vibraphone reinforces the chamber music like magic of the trio. Jim Hart, who also profiles himself as a drummer, brings with him precisely that rhythmic competence that here enables him to dispense with drums, brilliantly. The trio is a typically international band – like so many lineups in which Daniel Erdmann is active. There is no proclamatory intent behind this, simply the everyday reality and the tendency of this type of European jazz to make distances and borders seem increasingly irrelevant.

Daniel Erdmann’s Velvet Revolution is free from intent, the desire to illustrate, although it does contain a number of allusions. The music draws from the confrontation with reality and bubbles from the imagination. It has something poetic and something anecdotal; something picturesque and something abstract. You don’t need to know what the titles have to do with the pieces when the sounds speak for themselves.