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Clemens Kuratle Ydivide

Dee Byrne: Alto Saxophone
Elliot Galvin: Piano & Electronics
Chris Guilfoyle: Guitar
Lukas Traxel: Bass
Clemens Kuratle: Composition, Drums & Electronics

www.clemenskuratle.com

New CD: LUMUMBA (INTAKT RECORDS), Release 08/2022

Viele bedeutende Schlagzeuger sind grosse Bandleader. Mit ihrer Übersicht, dem Rhythmus- und Formgefühl weisen sie der Band den Weg. Der junge Schweizer Schlagzeuger Clemens Kuratle hat sich in Jazz- und Popformationen einen Namen als einfühlsamer und versierter Musiker gemacht. Nun hat er Ydivide ins Leben gerufen: ein Quintett, das die hippe, junge britische und schweizerische Jazzszene verbindet. «Internationale Formationen gibt es in der Welt der improvisierten Musik schon seit vielen Jahren. Spannendes kann passieren, wenn Grenzen überwunden werden und neugierige Menschen zusammenkommen, um eine gemeinsame Klangsprache zu schaffen, auch wenn sie vielleicht nicht dieselbe Muttersprache oder dieselben kulturellen Bezüge teilen. Ydivide, ein ausgezeichnetes europäisches Ensemble, ist ein gutes Beispiel dafür. In jedem Fall lenken die Disziplin der Komposition und die Freiheit der Improvisation die Musik jenseits spezifischer Jazzschulen, und die Präsenz von Rhythmen, die vor tänzerischer Energie knistern, sowie Ausbrüche harmonischer Turbulenzen und meditative Refrains unterstreichen, dass Kuratle Klänge einbezieht, die sowohl «in» als auch «out» sind. Das wichtigste jedoch – seine wortlosen Songs erzählen etwas», schreibt Kevin Le Gendre in den Linernotes.

Presse:

Der couragierte Beginn macht hellhörig: sich wiederholende Töne aus dem Inneren eines präparierten Klaviers gehen in perkussiv gehämmerte Schläge und Höhenflüge am Saxophon über. Inspiration für den Opener „Lumumba“ – wie für das sehenswerte Cover (Collin Sekajugo) – war die verstörende Geschichte der Unabhängigkeits- und Push Bewegungen auf afrikanischem Boden. Teil dieser Geschichte ist die zuweilen geleugnete Mitverantwortung der internationalen Staatenwelt bei der Ermordung des kongolesischen Politikers Patrice Lumumba im Jahr 1961. Hiervon beeindruckt, ging Clemens Kuratle an die Formierung seiner neuen, bewusst international besetzten Band. Mechanische Rhythmen sind seine Sache nicht. Seine Vorliebe gilt vielmehr jenen kollektiv gewobenen, komplexen Rhythmen, wie diese Ornette Coleman für den Jazz fruchtbar machte. Die Kollegenschaft des Initiativen Schweizer Schlagzeugers bekommt dementsprechend viel zu tun. Der aus Dublin angereiste Gitarrist Chris Guilfoyele und der Schweizer Kontrabassist Lukas Traxel teilen das von Rasanz geprägte Power-Konzept. Pianist Elliot Galvin bringt wie Kuratle Electronics ins Spiel. Besonders eindrücklich gerät das emotionsgeladene, mitunter „ schreiende“ Spiel der Saxophonistin Dee Byrne. Schon bei den Favourite Animals und im London Improvisers Orchestra auffällig geworden, lässt die hochtalentierte, Kreativität und Entschlossenheit ausstrahlende Britin, die Wände beben. In den Winterthurer Hardstudios von Andy Heresheimer exzellent aufgenommen, weicht der wuchtige, dabei nie derbe Sound dieses Quintetts auf, wenn wie im Intim musizierten „Marvelling“ oder in „ Dim the Lights“ das Tempo gedrosselt wird. Die Lichter sind da freilich noch nicht am Ausgehen. Den Schlusspunkt findet das Quintett im noch einmal die eigenen Stärken aus Kostenden, pushenden Rumba-Statement „Optimism“.  Wolfgang Gratzer, Jazzpdium, 10/2022