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Daniel Erdmann’s Organic Soulfood

Daniel Erdmann_tenor sax
Antonin Rayon_hammond B3
Jim Hart_drums

www.daniel-erdmann.com

In den vergangenen Jahren wurde Daniel Erdmann vor allem durch zwei Trios bekannt: Velvet Revolution (mit Theo Ceccaldi, Geigen und Jim Hart, Vibraphon) und Das Kapital (mit Hasse Poulsen, Gitarre und Edward Perraud. Drums). Beide pan-europäischen, in Frankreich ansässigen Solisten-Bands wurden von Publikum und Presse begeistert gefeiert. Sie erhielten Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik sowie einen Jazz-„Echo“, veröffentlichten mehrere Alben und waren international auf Tour. Zuletzt ist Erdmann auch an der Seite der einmaligen Aki Takase aufgefallen, etwa beim Jazzfest Berlin 2021 und mit dem Album „Isn’t It Romantic?“.

Erdmanns Bands vereinen äußerst spielfreudige und versierte Musiker, die gemeinsam mit ihm einen speziellen, sofort identifizierbaren Sound kreieren. Genau das lässt sich auch über sein jüngstes Trio Organic Soulfood sagen. Hier spielt Jim Hart reguläres Schlagzeug statt Vibraphon, ganz neu ist die Kooperation mit dem Hammond-Organisten Antonin Rayon. Hammond-Orgel? Wer jetzt spontan an Jimmy Smith denkt, kann im Kopf umparken. Denn Rayon, Jahrgang 1976, spielt das singuläre B3-Ungetüm alles andere als traditionell. Vielmehr reiht er sich mit einem sehr persönlichen, progressiven Stil nahtlos in Erdmanns Umfeld aus klugen und innovativen Musikern ein.

Erst im Januar 2021 entwickelte Daniel Erdmann die Idee zu Organic Soulfood, im November feierte die Gruppe bei einem Festival in Frankfurt a.M. ihre spektakuläre Bühnenpremiere. Rayons subtile, zuweilen fast abstrakte, manchmal fast an Elektro-Ästhetik heranreichende Sounds, Harmonien und Basslinien verweben sich perfekt mit Erdmanns warm timbrierten und gezielt aufgerauten Tenorsaxophontönen. Befeuert auch von Harts variablen Schlagzeug-Grooves, moduliert Erdmann immer wieder weitläufige Expressionen, geht in Improvisationen pointiert aus seinen Kompositionen raus, bewahrt aber stets die Form. Gemeinsam entwickelt das Trio eindrückliche Dynamik und eine farbenreiche, eigenständige Klangsprache.

Die Kooperation mit Rayon ist alles andere als ein Schnellschuss. „Ich habe Antonin vor über 10 Jahren bei einem Festival gehört und hatte ihn seitdem immer im Hinterkopf“, erklärt Erdmann. „Ausgangspunkt meiner Projekte sind stets bestimmte Klangvorstellungen. Warum ich jetzt nach diesem etwas klassischeren Jazz-Sound strebe, kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich liegt’s an meinem ursprünglichen Plan, 2021 nach New Orleans zu fahren und dort neues Repertoire zu schreiben.“ Der Bandname Organic Soulfood reflektiert Daniel Erdmanns Humor und seine aktuelle Stimmungslage.
„Er ist natürlich ein Wortspiel, ist aber auch aus dem Bedürfnis heraus entstanden, eine Musik zu spielen, in der Seele, Instinkt und Intellekt harmonieren. Ich brauche in diesen Zeiten Musik als Seelenfutter und das versuche ich mit dem Bandnamen rüberzubringen.“

Fotos (Romu Ducros)_Click to enlarge